Thorsten Frei, Unionsfraktionschef im Bundestag, hat eine gerechtere Vergabe von Facharztterminen in Deutschland verlangt. Er sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger, alle Versicherten müssten in vertretbarer Frist behandelt werden; längere Wartezeiten für gesetzlich Versicherte gegenüber privat Versicherten seien ein Gerechtigkeitsproblem. Die Äußerungen vom 18. Oktober 2026 haben eine neue Debatte über Organisation und Steuerung der ambulanten Versorgung ausgelöst.
Zur Diskussion stehen nach Darstellung der Union drei Hebel: Erstens sollen Hausärztinnen und Hausärzte in einem gestärkten Primärversorgungssystem stärker als Lotsen fungieren. Zweitens könnten Terminservicestellen verbindlicher und differenzierter nach medizinischer Dringlichkeit vermitteln. Drittens werden finanzielle Anreize für kurzfristige Terminvergaben erwogen. Frei sieht die Bundesregierung und das Bundesgesundheitsministerium am Zug, hierzu Vorschläge vorzulegen. Krankenkassen und Patientenverbände fordern zudem mehr Transparenz über Wartezeiten und eine Vergabe strikt nach Bedarf.
Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung verweist für 2026 darauf, dass über Hausärzte vermittelte Facharzttermine häufig kurzfristig zustande kommen. Zugleich bestehen weiterhin regionale und fachgruppenspezifische Engpässe, etwa in ländlichen Räumen oder besonders nachgefragten Disziplinen. Ärztliche Verbände warnen vor zusätzlicher Bürokratie: Jede Reform müsse die Arbeitsbelastung in den Praxen realistisch einpreisen und eine sichere Priorisierung nach medizinischen Kriterien ermöglichen.
Politisch ist die Richtung umstritten. Befürworter einer stärkeren Lotsenfunktion durch Hausärzte verweisen auf internationale Erfahrungen mit Primärversorgungssystemen, die Wartezeiten und Doppelstrukturen reduzieren können. Kritiker monieren, dass ohne zusätzliche Kapazitäten in der Fläche – etwa mehr Weiterbildungsplätze, attraktivere Niederlassungsbedingungen und bessere regionale Planung – reine Steuerungsinstrumente die Lücke nicht schließen werden.
Die Gesundheitsministerkonferenz hat die Bundesregierung gebeten, den begonnenen Dialog zur Primärversorgung zügig fortzuführen und insbesondere die Effekte möglicher Maßnahmen auf Wartezeiten, regionale Versorgung und Praxisorganisation zu prüfen. Ob und wann daraus Änderungen im Leistungsrecht oder in der Terminvermittlung folgen, ist offen. Konkrete Aussagen zu einer flächendeckenden Verkürzung der Wartezeiten gelten derzeit als nicht belegbar und würden belastbare Evaluationen erfordern.
Faktisch markiert Freis Vorstoß den aktuellen Anlass der Debatte; die strukturellen Unterschiede zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung bleiben der politische Kernkonflikt. Ergebnisse hängen von weiteren Vorschlägen des Bundesgesundheitsministeriums, der Ausgestaltung in den Kassenärztlichen Vereinigungen und möglichen Beschlüssen im Bundestag ab.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).