In der Union ist der Streit über den künftigen Kurs zur AfD erneut offen ausgebrochen. Nach übereinstimmenden Berichten, darunter des SWR, ringen Unionspolitiker in Rheinland-Pfalz und auf Bundesebene darum, ob an der bisherigen Brandmauer festgehalten oder stattdessen konkrete rote Linien definiert werden sollen. Konkrete Beschlüsse liegen am 10. Oktober 2026 nicht vor.
Auslöser der aktuellen Runde ist eine interne Diskussion in der CDU Rheinland-Pfalz, die öffentlich wurde. Demnach plädieren einzelne Funktionsträger dafür, die bisherige pauschale Abgrenzung sprachlich zu präzisieren und die Bewertung von Anträgen der AfD stärker am Inhalt auszurichten. Gleichzeitig betonen führende Vertreter der CDU, Koalitionen mit der AfD blieben ausgeschlossen. Die Tagesschau verweist auf ähnliche Debatten in weiteren Landesverbänden.
Auch in der Schwesterpartei gibt es Bewegung: CSU-Vize Manfred Weber nannte die ständig beschworene Brandmauer in einem ZDF-Interview eine Belastung, die politische Sacharbeit erschwere. Er plädiert für klar definierte rote Linien, etwa bei Verstößen gegen die Verfassung oder bei ausländerfeindlicher Rhetorik, und will zugleich jede Zusammenarbeit der CSU mit der AfD auf Landes- und Bundesebene weiterhin ausschließen.
Widerspruch kommt aus Teilen der Union, die vor Normalisierungseffekten warnen. Sie verweisen darauf, dass das Bundesamt für Verfassungsschutz die AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall einstuft und einzelne Landesverbände oder Teilorganisationen intensiver beobachtet. Aus ihrer Sicht würde eine Abkehr von der Brandmauer die politische Trennschärfe mindern und die Union programmatisch verwässern.
Beispiele aus den Ländern illustrieren das Spannungsfeld: In Hessen verteidigte Ministerpräsident Boris Rhein die Brandmauer und grenzte seine CDU erneut von der AfD ab; die AfD reagierte mit scharfer Kritik. In Rheinland-Pfalz wird zugleich diskutiert, wie mit AfD-Initiativen in Ausschüssen umzugehen ist – von der generellen Ablehnung bis zur Prüfung im Einzelfall.
Der politische Kontext ist klar: Die AfD erzielt in Teilen Ostdeutschlands seit Monaten hohe Umfragewerte, während die Union um Wählerkontakte in kommunalen und parlamentarischen Alltagsprozessen ringt. Befürworter roter Linien argumentieren, die Union müsse verlorene Wählerinnen und Wähler über sachliche Auseinandersetzungen zurückgewinnen. Gegner halten dagegen, der Preis sei eine gefährliche Verwischung der Abgrenzung.
Wie die Union die Balance setzt, bleibt offen. Für die kommenden Tage werden weitere Stellungnahmen aus Landesverbänden und Fraktionen erwartet. Eine Kursentscheidung dürfte erst nach internen Beratungen in CDU und CSU fallen; bis dahin wird die Debatte über Brandmauer und rote Linien die politische Agenda in Deutschland prägen.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).