Am 17. September 2026 richtet sich der Blick am Bodensee auf den Unteren Frickhof in Billafingen: Dort wird eine der umfangreichsten Sammlungen historischer Birnensorten in Deutschland vorgestellt. Nach übereinstimmenden Angaben aus der Region umfasst der Bestand mehr als 600 Wirtschafts- und Tafelbirnen. SWR Aktuell berichtete am selben Tag über die Präsentation.
Betreut wird die Sammlung von Thomas Hepperle, Birnenexperte der Heinz Sielmann Stiftung. Er beschreibt den Obstgarten als lebendes Archiv der Kulturpflanze. Ziel ist es, verlorengeglaubte oder nur noch lokal bekannte Sorten zu sichern und fachlich zu dokumentieren. Unter den wiederentdeckten Varietäten finden sich auffällig benannte Typen wie die gestreifte Schweizerhose oder die kleine, langstielige Mauswedel. Solche Namen zeugen von regionaler Tradition, erschweren aber bisweilen die eindeutige Zuordnung, weil örtliche Bezeichnungen und historische Quellen voneinander abweichen können.
Fachlich geht es um mehr als kulturhistorische Pflege. Alte Sorten gelten als genetische Ressourcen, die für Züchtung und Anpassung an den Klimawandel relevant sein können. Beobachtungen aus der Praxis deuten darauf hin, dass einzelne traditionelle Birnen eine besondere Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit, Krankheiten oder Schädlinge zeigen. Konkrete laufende Züchtungsprojekte wurden am Tag der Berichterstattung nicht genannt; die Sammlung versteht sich jedoch als Grundlage, auf die Forschung und Praxis zugreifen können.
Der Standort im Bodenseekreis bietet dafür geeignete Bedingungen. Die Bäume stehen auf mehreren Hektar Obstwiese in Hanglage, was unterschiedliche Mikroklimata abbildet. Die Pflege umfasst regelmäßigen Schnitt, Sortenkontrolle und die Nachpflanzung gesicherter Reiser. Für die wissenschaftliche Einordnung dienen Sortenbeschreibungen und Register, die unter anderem das Kompetenzzentrum Obstbau-Bodensee führt. Diese Datenbanken helfen, Doppelbenennungen zu vermeiden und Eigenschaften belastbar zu dokumentieren.
Für die Region verbindet sich mit der Sammlung ein kultureller und agrarischer Mehrwert. Sie hält Wissen über bäuerliche Nutzungstypen, Erntefenster und Verarbeitungseigenschaften lebendig und bietet Streuobstinitiativen Anschauungsmaterial. Perspektivisch wird eine Erweiterung des Bestands geprüft, abhängig von Pflegekapazitäten und Finanzierung. Der aktuelle Anlass ist die Präsentation in Billafingen; Hintergründe zu Sorten, Pflege und Zielen wurden von SWR Aktuell zusammengetragen und durch Angaben aus der Fachwelt ergänzt.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).