Die Abschiebebeobachterin Merle Abel hat am 9. Oktober 2026 ihren Jahresbericht zur Situation am Hamburger Flughafen vorgelegt und zugleich ihren Rückzug aus der Funktion erklärt. Abel, die nach Angaben der Diakonie Hamburg seit mehreren Jahren Abschiebungen am Hamburger Flughafen beobachtet, schildert in dem Bericht wiederholt Situationen, in denen Betroffene „hilflos und traurig“ gewesen seien. Dokumentiert werden demnach auch Fälle, in denen gesundheitliche oder altersbedingte Einschränkungen nach Einschätzung der Beobachtung nicht ausreichend berücksichtigt wurden.
Abel arbeitete im Rahmen des Abschiebemonitorings, das vom Diakonischen Werk Hamburg getragen und teilweise durch die Innenbehörde finanziell gefördert wird. Ihre Beobachtungen werden regelmäßig im Flughafenforum Hamburg besprochen, einem Gremium mit Vertreterinnen und Vertretern der Bundespolizei, der zuständigen Behörden und zivilgesellschaftlicher Organisationen. Nach Angaben der Beteiligten standen dort wiederholt Fragen zur Begleitung durch medizinisches Personal, zur Kommunikation mit Angehörigen und zu möglichen Alternativen zur Rückführung auf der Tagesordnung.
Die Diakonie Hamburg bestätigte die Übergabe des Jahresberichts. Sie betont die Transparenzwirkung externer Beobachtung, weist aber darauf hin, dass die Einsätze nur stichprobenartig erfolgen können. Vertreterinnen und Vertreter der Innenbehörde unterstreichen in bereits veröffentlichten Stellungnahmen, dass Abschiebungen rechtlich geregelte Verfahren mit Einzelfallprüfung seien. Die Bundespolizei erklärt, man nehme Kritik ernst und prüfe Einzelfälle intern. Konkrete Angaben zu einzelnen Vorgängen macht keine der Seiten.
Hintergrund sind fortlaufende Rückführungen per Luftweg aus Hamburg und anhaltende Debatten über den Schutz besonders vulnerabler Personen, etwa psychisch erkrankter oder schwer körperlich beeinträchtigter Menschen. Der Rückzug Abels wird in der Fachöffentlichkeit als Einschnitt gewertet, weil externe Beobachtung Einblick in Abläufe am Hamburger Flughafen ermöglicht hat. Offen ist, wer die Aufgabe künftig übernimmt und ob die Innenbehörde die Finanzierung des Abschiebemonitorings anpasst.
Der vorliegende Bericht bildet die Grundlage der aktuellen Bewertung. Er enthält Beobachtungen und Einschätzungen der Abschiebebeobachterin; eine gerichtliche oder behördliche Bewertung einzelner Fälle ersetzt er nicht. Aussagen der Diakonie Hamburg, der Innenbehörde und der Bundespolizei sind eindeutig zugeordnet. Welche politischen oder organisatorischen Folgen die Veröffentlichung nach sich zieht, ist derzeit nicht absehbar und hängt von weiteren Beratungen in Verwaltung und Parlament ab.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).