Am Bodensee werden vermehrt nicht heimische Wasserschildkröten beobachtet. Nach aktuellen Berichten des Südwestrundfunks und des Südkurier begünstigen wärmere Sommer und milde Winter, dass Tiere wie die Rotwangen-Schmuckschildkröte am See überwintern, heranwachsen und vereinzelt Nachwuchs zeigen. Behörden und Fachleute in Baden-Württemberg empfehlen deshalb ein systematisches Monitoring sowie abgestimmte Managementmaßnahmen.
Das Phänomen ist nicht neu, gewinnt aber an Dynamik. Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung dokumentiert seit Jahren eine Zunahme eingeführter Schildkrötenarten in Deutschland. Die EU führt Trachemys scripta auf der Liste invasiver Arten; das Bundesamt für Naturschutz verweist auf die damit verbundenen rechtlichen Vorgaben für Prävention, Information und, wo erforderlich, Eingriffe. Ausgesetzt werden die Tiere meist von früheren Privathaltern. Steigende Wassertemperaturen und längere Vegetationsperioden erhöhen laut Fachleuten die Chancen, dass sie überleben und sich stellenweise vermehren.
Die ökologischen Risiken werden differenziert bewertet. Fachleute nennen vor allem Konkurrenz um Sonnen- und Nistplätze, Fraßdruck auf Amphibienlaich und wirbellose Tiere sowie eine mögliche Beeinträchtigung der seltenen Europäischen Sumpfschildkröte, die in Deutschland nur lokal vorkommt. Zugleich betonen Forschende, dass einzelne Funde von Jungtieren lediglich Indizien liefern. Ob sich am Bodensee stabile reproduzierende Bestände etabliert haben, lässt sich erst durch langjährige Feldstudien belegen.
Die vorgeschlagenen Maßnahmen zielen auf Prävention und Kontrolle: gezielte Information für Halterinnen und Halter, Kontrollen an bekannten Aussetzungsorten, die dokumentierte Entnahme einzelner Tiere durch geschulte Kräfte sowie eine einheitliche Datenerfassung über kommunale und Landesgrenzen hinweg. Für Eingriffe gelten Tierschutz- und Naturschutzrecht; Zuständigkeiten liegen bei den unteren Naturschutzbehörden und Landesstellen. Fachleute regen zudem an, Monitoringprogramme mit universitären und außeruniversitären Einrichtungen zu verzahnen, um Methoden und Datenlage zu vereinheitlichen.
Am Bodensee verändern Klimawandel und Nutzungsdruck bereits Ufer- und Flachwasserzonen. Aus Sicht von Forschenden und Behörden erhöht das die Notwendigkeit, Vorkommen invasiver Arten frühzeitig zu erkennen und zu begrenzen. Der aktuelle Anlass ist die Häufung jüngster Nachweise und Hinweise aus der Region. Prognosen bleiben vorsichtig: Setzen die milden Winter sich fort, dürften sich einzelne Populationen festigen; wirksam gegensteuern kann nur ein dauerhaftes, koordiniertes Vorgehen von Wissenschaft, Verwaltung und Naturschutzverbänden.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).