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Warum trotz viel Wind und Sonne Kohlekraftwerke laufen

Trotz regionaler Stromüberschüsse aus Wind und Sonne bleiben Kohleanlagen am Netz. Gründe sind Netzengpässe, gesetzliche Vorhaltepflichten und Marktregeln, die die Bundesnetzagentur und Netzbetreiber über Redispatch und Netzreserve steuern.

Am 27. Oktober 2026 melden Redaktionen in mehreren Bundesländern erneut sehr hohe Einspeisungen aus Windkraft und Photovoltaik im Norden, während gleichzeitig einzelne Kohlekraftwerke in anderen Regionen laufen oder hochgefahren werden. Dieses Nebeneinander ist kein Widerspruch, sondern Folge technischer Netzrestriktionen, gesetzlicher Vorhaltepflichten und marktlicher Abläufe.

Erstens wirken Netzengpässe und physikalische Lastflüsse. Strom folgt den Leitungswegen und nicht administrativen Wünschen. Bei starkem Wind in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein können Transportkapazitäten in Richtung Verbrauchszentren überlasten. Um Leitungen zu schützen und die Stabilität zu sichern, ordnen Übertragungsnetzbetreiber Redispatch an: Erzeugung aus erneuerbaren Quellen wird lokal reduziert und konventionelle Leistung in verbrauchsnäheren Regionen zugeschaltet, wenn dies zur Einhaltung von Netzparametern erforderlich ist. Die Bundesnetzagentur stuft Redispatch als zentrales Instrument des Engpassmanagements ein.

Zweitens greifen Vorhaltungspflichten und die Netzreserve. Kraftwerke, die am Markt nicht mehr wettbewerbsfähig sind, können in die Netzreserve überführt oder befristet am Standort gesichert werden. Diese Anlagen erzeugen nicht dauerhaft Strom, sondern stehen bereit, um kurzfristig Netzengpässe zu entschärfen und Systemdienstleistungen zu erbringen. Die Bundesnetzagentur legt dazu Bedarf, Kriterien und Vergütung fest und genehmigt streckende Stilllegungen, wenn die Versorgungssicherheit sonst gefährdet wäre.

Drittens wirken Marktmechanismen und Bilanzierungsregeln. Auch bei niedrigen oder negativen Großhandelspreisen können geförderte erneuerbare Anlagen weiter einspeisen. Gleichzeitig sorgen Ausgleichs- und Abrechnungsregeln im Redispatch dafür, dass konventionelle Anlagen an bestimmten Knoten weiterhin technisch verfügbar sein müssen. Informationslücken und Steuerbarkeit in Verteilnetzen erschweren zusätzlich, regionale Überschüsse vollständig vor Ort zu nutzen.

Folgen und Interessen: Der Einsatz einzelner Kohleblöcke in Engpasslagen erhöht kurzfristig Kosten und Emissionen. Netzbetreiber und die Bundesnetzagentur werten dies als notwendige Absicherung der Versorgungssicherheit, solange Netzausbau, steuerbare Lasten, Speicher und Flexibilitätsoptionen noch nicht ausreichend wirken. Politische und regulatorische Maßnahmen wie „Nutzen statt Abregeln“, beschleunigter Netzausbau, der Ausbau von Speichern und eine bessere Einbindung von Industrie und Wärmenetzen sollen die Redispatch-Bedarfe perspektivisch senken. Ob und wann diese Instrumente die beschriebenen Eingriffe deutlich reduzieren, hängt vom Fortschritt der Projekte und vom Zubau steuerbarer Flexibilität ab.

Die aktuellen Meldungen über parallele erneuerbare Überschüsse und laufende Kohlekraftwerke sind mit den beschriebenen technischen, rechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen vereinbar. Sie zeigen den Übergangscharakter der Energiewende im Stromnetz und den weiter bestehenden Bedarf an Netzausbau und Flexibilität.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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