Heute in der Geschichte

Was geschah am 5. Oktober in Deutschland?

Vom salischen Thronwechsel über Locarno und die nationalsozialistische Passkennzeichnung bis zur ersten 380‑kV‑Leitung, der Gründung der TelefonSeelsorge Berlin, dem Tod des Grenzsoldaten Egon Schultz an der Bernauer Straße und der Ratifikation des Zwei‑plus‑Vier‑Vertrags: Der 5. Oktober markiert mehrfach

Der 5. Oktober ist kein klassischer Gedenktag – und doch verdichten sich an ihm präzise nachweisbare Einschnitte in Politik, Recht, Technik und Zivilgesellschaft. Am 5. Oktober 1056 starb Kaiser Heinrich der Dritte in Bodfeld; die Königswürde ging auf seinen unmündigen Sohn über. Am 5. Oktober 1925 begann in Locarno die Sicherheitskonferenz unter gleichberechtigter deutscher Beteiligung. Am 5. Oktober 1938 verfügte das Reichsministerium des Innern im Reichsgesetzblatt die Kennzeichnung jüdischer Reisepässe mit einem roten „J“. Am 5. Oktober 1956 nahm die TelefonSeelsorge Berlin ihre Arbeit auf. Am 5. Oktober 1957 schaltete die RWE‑Leitung Rommerskirchen–Hoheneck erstmals in Deutschland 380 Kilovolt. Am 5. Oktober 1964 wurde der Unteroffizier Egon Schultz an der Strelitzer Straße 55 in Ost‑Berlin tödlich getroffen. Und am 5. Oktober 1990 ratifizierte der Deutsche Bundestag den Zwei‑plus‑Vier‑Vertrag – einen völkerrechtlichen Schlussstein der deutschen Einheit.

Deutschland am 5. Oktober

5. Oktober 1056: Kaiser Heinrich der Dritte stirbt in Bodfeld – Weichenstellung für eine Regentschaft

Am 5. Oktober 1056 starb Kaiser Heinrich der Dritte auf dem Königshof Bodfeld im Harz. Die Neue Deutsche Biographie führt Sterbeort und ‑datum ausdrücklich auf; der Eintrag in der Deutschen Biographie nennt Bodfeld (Harz) und den 5.10.1056. Damit begann die Minderjährigenherrschaft seines Sohnes Heinrich des Vierten unter der Vormundschaft von Kaiserin Agnes. Der dokumentierte Todeszeitpunkt an diesem Ort macht eine selten klare Zäsur sichtbar: Machtwechsel und beginnende Schwächung königlicher Durchsetzungsfähigkeit im Hochmittelalter sind quellenfundiert an einem einzelnen Tag fassbar. Der Bodfeld‑Befund ist zudem topografisch durch regionale Forschung und Informationsmedien zum ehemaligen Königshof kontextualisiert. Diese Quellenlage erlaubt es, den politischen Übergang exakt auf den 5. Oktober zu datieren und ihn als Ausgangspunkt späterer Konflikte – bis hin zum Investiturstreit – zu markieren. (Deutsche Biographie/NDB; Infotafel „Königshof Bodfeld“).

5. Oktober 1925: Beginn der Konferenz von Locarno – Deutschland am Verhandlungstisch

Am Vormittag des 5. Oktober 1925 wurde in Locarno die Sicherheitskonferenz eröffnet. Die Akten der Reichskanzlei dokumentieren die „Erste Sitzung der Konferenz von Locarno“ mit Datum und Uhrzeit, womit der deutsche Einstieg in einen vertraglich abgesicherten Verständigungsprozess präzise fassbar ist. Träger der Linie war Außenminister Gustav Stresemann; die LeMO‑Darstellung des Deutschen Historischen Museums skizziert Anlass und Zielsetzung. Eine Rückschau des Auswärtigen Amts betont zudem den Gleichheitsanspruch der Verhandlungspraxis. Der 5. Oktober markiert damit den Beginn jener Gespräche, die in der Folge zu den Locarno‑Verträgen führten und der Weimarer Republik – unter strengen Auflagen – Handlungsspielräume in der europäischen Sicherheitsarchitektur zurückgaben. (Bundesarchiv/„Akten der Reichskanzlei“; DHM LeMO; Auswärtiges Amt).

5. Oktober 1938: Kennzeichnung jüdischer Pässe – Rechtsakt der Ausgrenzung

Mit der „Verordnung über Reisepässe von Juden“ erklärte das Reichsministerium des Innern am 5. Oktober 1938 sämtliche Reisepässe jüdischer Deutscher zunächst für ungültig; sie wurden nur mit großformatigem roten „J“ wieder gültig. Der Abdruck im Reichsgesetzblatt (RGBl. I 1938, S. 1342 f.) belegt Datum und Wortlaut, rechtsgeschichtlich kommentiert etwa durch die Universität Bern. Der 5. Oktober ist damit Tag eines klar dokumentierten Verwaltungsakts, der Kontrolle, Stigmatisierung und Ausreisebehinderungen systematisch verschärfte – eine Maßnahme unmittelbar vor den Novemberpogromen. Der Eintrag „Verordnung über Reisepässe von Juden“ und die Nennung des Reichsgesetzblatt sichern die tagesgenaue Verifikation. (Wikisource/RGBl.; Universität Bern/Servat).

5. Oktober 1956: TelefonSeelsorge Berlin geht ans Netz – bürgerschaftliche Pionierarbeit

Am 5. Oktober 1956 machten Helene und Julius Wissinger in West‑Berlin ihre private Rufnummer öffentlich – die Geburtsstunde der TelefonSeelsorge Berlin. Die Einrichtung führt in ihrer eigenen, quellenbasierten Chronik das Gründungsdatum aus; ein „Zeitzeichen“ von WDR 5 stellt denselben Tag in den Mittelpunkt und erläutert Kontext und Wirkung. Aus dem ehrenamtlichen Anfang entwickelte sich eine rund‑um‑die‑Uhr erreichbare Krisenhilfe. Der exakte Starttag dokumentiert, wie Zivilgesellschaft in der Nachkriegsstadt Berlin neue Formen niedrigschwelliger Unterstützung aufbaute. (TelefonSeelsorge Berlin; WDR 5).

5. Oktober 1957: Erste 380‑kV‑Schaltung in Deutschland – Rommerskirchen–Hoheneck

Am 5. Oktober 1957 nahm die RWE‑Höchstspannungsleitung Rommerskirchen–Bürstadt–Hoheneck den Betrieb auf der Spannungsebene 380 Kilovolt auf – ein technikgeschichtlicher Einschnitt. Die Historie der Übertragungsnetzbetreiber verzeichnet explizit „05.10.1957 Aufnahme des 380‑kV‑Betriebs“; ergänzend dokumentieren VDE‑Chroniken und Darstellungen zum Umspannwerk Hoheneck die Einordnung. Mit diesem Datum begann die moderne Vermaschung des westdeutschen Verbundnetzes; Knoten wie Rommerskirchen und das Umspannwerk Hoheneck wurden strategische Drehscheiben. Der 5. Oktober 1957 steht somit als klar belegter Tag für einen Technologiesprung mit Langzeitwirkung – bis in Gegenwartsdebatten über Netzstabilität und Energiewende. (50Hertz; VDE; Wikipedia/Umspannwerk Hoheneck).

5. Oktober 1964: Einsatz an der Strelitzer Straße 55 – Egon Schultz wird tödlich getroffen

Am 5. Oktober 1964 kam es im Hof der Strelitzer Straße 55 in Ost‑Berlin bei einem Einsatz der Grenztruppen zu einem Schusswechsel; der Unteroffizier Egon Schultz wurde tödlich verletzt. Die Chronik der Mauer identifiziert den Todestag und rekonstruiert die Abläufe um den unterirdischen Fluchtweg zur Bernauer Straße. Gedenktafeln des Landes Berlin sowie Publikationen der Stiftung Berliner Mauer dokumentieren Ort und Kontext. Der 5. Oktober ist damit der präzise Tag einer tödlichen Eskalation an der Nahtlinie der geteilten Stadt; er steht – quellenbelegt – für die Risiken der Fluchtversuche und die Instrumentalisierung des Falls in der Propaganda der DDR. (Chronik der Mauer; Gedenktafeln Berlin; Stiftung Berliner Mauer).

Ein Datum, viele Geschichten

Die hier versammelten, eindeutig auf den 5. Oktober datierten Episoden zeigen den langen Atem deutscher Geschichte im „Tagesschnitt“: vom salischen Herrscherwechsel in Bodfeld über die Rückkehr an den Verhandlungstisch von Locarno und einen juristisch präzisen Akt der Entrechtung, von bürgerschaftlicher Krisenhilfe bis zum technischen Sprung in die Höchstspannungsebene, von einer tödlichen Eskalation an der Berliner Mauer bis zur Ratifikation des Zwei‑plus‑Vier‑Vertrags im Deutschen Bundestag. Wer diese scharf belegten Knotenpunkte kennt, erkennt, wie Macht, Recht, Technik und Zivilgesellschaft an einem einzelnen Kalendertag ineinandergreifen – und wie solche Tage, einzeln genommen, die Struktur der Gesamterzählung verändern.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen