Heute in der Geschichte

Was geschah am 26. September in Deutschland?

Vom konservativen Monarchenbund von 1815 über Hitlers Eskalationsrede 1938 und den rechtsterroristischen Bombenanschlag von 1980 bis zu Wahl- und Infrastrukturentscheidungen der Gegenwart: Der 26. September markiert in Deutschland wiederholt Zäsuren, die Macht, Gesellschaft und Energiesicherheit betreffen.

Der 26. September ist in der deutschen Geschichte ein Datum verdichteter Weichenstellungen. Er umfasst die Unterschrift unter ein restauratives Bündnis in Paris im Jahr 1815, eine eskalierende Ansprache im Berliner Sportpalast im Vorfeld des Münchner Abkommens, einen rechtsterroristischen Massenmord am Haupteingang der Theresienwiese, einen bundesweiten Urnengang mit tiefen Folgen für das Parteiensystem sowie die Sabotage an kritischer Energieinfrastruktur in der Ostsee. Gemeinsam ist diesen Ereignissen ihr klarer Bezug zu Deutschland – als Ort, als handelnder Akteur oder als unmittelbar betroffene Gesellschaft. Die nachfolgenden, quellenbasiert datierten Beispiele zeigen, wie sehr Ordnung, Gewalt, demokratische Entscheidungen und technische Verwundbarkeit an einem einzelnen Kalendertag zusammenfallen können.

Deutschland am 26. September

26. September 1815: Preußen verankert in Paris mit Russland und Österreich die Heilige Allianz

In Paris schließen Zar Alexander I., Kaiser Franz I. und König Friedrich Wilhelm III. die Heilige Allianz. Das ausdrücklich christlich begründete Bündnis richtet sich gegen revolutionäre Bewegungen und zielt auf die Sicherung der bestehenden Herrschaftsordnung. Für die deutsche Geschichte ist die Unterzeichnung bedeutsam, weil Preußen als führende Macht im Deutschen Bund seine restaurative Ordnungspräferenz in die europäische Nachkriegsarchitektur nach Napoleon einbringt und damit die politische Kultur deutscher Staaten im Vormärz prägt. Der Akt ist auf den 26. September 1815 eindeutig belegt; das Österreichische Staatsarchiv weist Ort und Datum der Urkunde aus, und das Deutsche Historische Museum verzeichnet die Gründung in seiner Jahreschronik. Die Heilige Allianz wirkt in den Folgejahren als Legitimationsrahmen gegen liberale und nationale Bewegungen – ein konservatives Signal, das von Paris bis in die deutschen Länder hineinreicht.

26. September 1938: Hitler eskaliert im Berliner Sportpalast die Sudetenkrise

Am Abend des 26. September 1938 hält Adolf Hitler im Berliner Sportpalast eine groß inszenierte Rede zur Sudetenkrise. Er droht der Tschechoslowakei offen mit Gewalt und deklariert die Abtretung der mehrheitlich deutschsprachigen Grenzgebiete als vermeintliches Selbstbestimmungsrecht. Der Auftritt, drei Tage vor dem Münchner Abkommen, wird von der nationalsozialistischen Presse in Sonderausgaben dokumentiert und dient innenpolitisch der Mobilisierung, außenpolitisch der Druckerzeugung. Der genaue Termin ist durch die einschlägige Quellenausgabe des Nürnberger Dokumentenkorpus zweifelsfrei belegt; sie zitiert den am Folgetag abgedruckten Wortlaut. Die Sportpalast-Rede ist damit ein Schlüsselmoment deutscher Expansionspolitik und eine Demonstration propagandistischer Machtausübung auf deutschem Boden.

26. September 1980: Ein rechtsterroristischer Bombenanschlag tötet dreizehn Menschen auf dem Münchner Oktoberfest

Gegen 22.19 Uhr detoniert am Haupteingang der Theresienwiese eine selbstgebaute Bombe. Dreizehn Menschen, darunter der Täter Gundolf Köhler, sterben; mehr als zweihundert werden verletzt. Der Anschlag gilt bis heute als der schwerste Terrorakt in der Geschichte der Bundesrepublik. Ermittlungen ordnen die Tat dem rechtsextremistischen Spektrum zu; Verbindungen zur Wehrsportgruppe Hoffmann sind belegt. Das Historische Lexikon Bayerns benennt Zeitpunkt, Ort und Opferzahl präzise, die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt den späteren Befund der Generalbundesanwaltschaft, wonach das Motiv rechtsextrem war. Das Bundesarchiv dokumentiert Tat, Ermittlungen und Gedenken. Der 26. September 1980 steht damit als mahnende Chiffre für lange unterschätzten Rechtsterrorismus in Deutschland – und für die institutionelle Aufarbeitung, die Jahrzehnte später zu einer Neubewertung führte.

26. September 2021: Deutschland wählt den 20. Deutschen Bundestag und markiert eine tektonische Verschiebung im Parteiensystem

Am Sonntag, dem 26. September 2021, findet die Wahl zum 20. Deutschen Bundestag statt. Die Bundeswahlleiterin weist eine Wahlbeteiligung von 76,6 Prozent aus; die Sitzverteilung summiert sich auf 736 Mandate. Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands erzielt die meisten Zweitstimmen; die Union verzeichnet deutliche Verluste; Bündnis 90/Die Grünen und die Freie Demokratische Partei legen zu; die Linke zieht trotz Unterschreitens der Fünf-Prozent-Hürde über Direktmandate ein; der Südschleswigsche Wählerverband erhält als Partei einer nationalen Minderheit einen Sitz. Der Deutsche Bundestag kündigte Termin und Modalitäten im Vorfeld an, die amtlichen Endergebnisse der Bundeswahlleiterin fixieren den Wahltag ebenso wie die Kenndaten. Politisch leitet der Urnengang das Ende der Ära Merkel ein und eröffnet den Weg zur späteren Bildung der Ampelkoalition.

26. September 2021: Berlin stimmt im Volksentscheid für die Vergesellschaftung großer Wohnungsbestände

Zeitgleich zur Bundestagswahl 2021 votieren die Berlinerinnen und Berliner im Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ mehrheitlich für die Erarbeitung eines Vergesellschaftungsrahmens. Das amtliche Endergebnis der Landesabstimmungsleitung weist 57,6 Prozent Ja-Stimmen aus; das Quorum wird übertroffen. Rechtlich entfaltet der Entscheid keinen unmittelbaren Gesetzesbefehl, erzeugt aber erheblichen politischen Druck: Das Abgeordnetenhaus und der Senat befassen sich mit der Umsetzung und einer verfassungskonformen Ausgestaltung; eine Drucksache des Parlaments dokumentiert die Folgemaßnahmen. Das Votum vom 26. September 2021 wirkt als Kulminationspunkt in der Debatte über bezahlbaren Wohnraum, Eigentum im großen Maßstab und sozialstaatliche Steuerung.

26. September 2022: Explosionen zerreißen Nord Stream 1 und 2 und verändern Deutschlands Energiearchitektur

In der Nacht und am Abend des 26. September 2022 registrieren seismische Netze nahe der Insel Bornholm mehrere Ereignisse, deren Signaturen eindeutig auf Sprengungen hindeuten. Drei der vier Stränge der Ostsee-Pipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 werden schwer beschädigt und damit faktisch außer Betrieb gesetzt. Deutschland ist als Endpunkt in Lubmin und als Gasabnehmer unmittelbar betroffen; die Bundesanwaltschaft leitet ein Ermittlungsverfahren wegen verfassungsfeindlicher Sabotage und der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion ein. Fachanalysen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe und skandinavischer Netze präzisieren Uhrzeiten und Magnituden; eine ARD-Recherche zeichnet die Ermittlungen nach. Der Anschlag beschleunigt die Diversifizierung der Energieversorgung und den Aufbau alternativer Importkapazitäten – ein sicherheitspolitischer Wendepunkt, datiert auf den 26. September 2022.

Ein Datum, viele Geschichten

Der 26. September wirkt in der deutschen Geschichte wie ein Prisma: Er bündelt Restauration und Revolutionsangst, propagandistische Drohgebärde, rechtsterroristische Gewalt, demokratische Willensbildung und die Verletzbarkeit hochkomplexer Infrastrukturen. Von der Heiligen Allianz über den Berliner Sportpalast und die Theresienwiese bis zu Lubmin und Bornholm zeigt sich ein roter Faden: Politische Ordnung und gesellschaftliche Resilienz entstehen im Wechselspiel von äußeren Schocks und inneren Entscheidungen. Die hier versammelten, exakt auf den 26. September datierten Vorgänge erinnern daran, dass Geschichte nicht nur Epochen, sondern auch konkrete Tage kennt, an denen sich Legitimität, Sicherheit und Handlungsfähigkeit deutscher Institutionen bewähren müssen.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

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