Der 27. September markiert in Deutschland wiederholt Tage, an denen Ordnungsmuster verschärft, Bündnisse besiegelt und demokratische Mehrheiten neu geordnet wurden. Das reicht von der Fünften Verordnung zum Reichsbürgergesetz (1938) über die Berliner Unterzeichnung des Dreimächtepakts (1940) bis zu einem Beschluss des Deutschen Bundestages, der freie gesamtdeutsche Wahlen rechtlich vorbereiten sollte (1951). Zugleich beginnt an diesem Datum 1960 ein literarisches Langzeitprotokoll der Schriftstellerin Christa Wolf, das privates Erleben und Zeitgeschichte verschränkt. Und zweimal entscheidet an genau diesem Tag der Wähler über Richtung und Koalitionsbildung im Bund (1998, 2009). Symbolisch steht dafür das Reichstagsgebäude Berlin als Ort parlamentarischer Demokratie – und als Mahnung, dass exakte Daten Unterzeichnung, Beschluss und Wahl überprüfbar machen.
Deutschland am 27. September
27. September 1938: Nationalsozialistische Behörden schließen Jüdinnen und Juden aus der Anwaltschaft aus
Mit der Fünften Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 27. September 1938 entzieht das Regime jüdischen Rechtsanwälten systematisch die Zulassung. Im „Altreich“ ist diese spätestens bis zum 30. November 1938 zurückzunehmen, in Österreich bis zum 31. Dezember 1938; zugleich wird die eng überwachte Sonderkategorie der „jüdischen Konsulenten“ geschaffen. Unterzeichnet ist die Verordnung unter anderem vom Reichsminister der Justiz Franz Gürtner. Der exakt datierte Normtext ist im Deutschen Reichsgesetzblatt dokumentiert und belegt, wie der Staat in Berufsbiografien und in die rechtliche Vertretung jüdischer Bürgerinnen und Bürger eingriff. Der Vorgang reiht sich in die eskalierenden Entrechtungsschritte des Herbstes 1938 ein und markiert einen klaren Einschnitt, der auch in späteren Behörden- und Stimmungsberichten nachweisbar bleibt. Begriffe wie Fünfte Verordnung zum Reichsbürgergesetz, Reichsminister der Justiz und Deutsches Reichsgesetzblatt sind zentrale Belegstellen für die Quellenlage.
27. September 1940: In Berlin wird der Dreimächtepakt von Deutschland, Italien und Japan unterzeichnet
In der Reichskanzlei in Berlin signieren Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop, Italiens Außenminister Galeazzo Ciano und der japanische Botschafter Saburō Kurusu den auf zehn Jahre angelegten Dreimächtepakt. Das Abkommen erklärt gegenseitige Unterstützung, sollte eine der Mächte von einem derzeit nicht am Krieg beteiligten Staat angegriffen werden – eine Formulierung, die vor allem gegen die Vereinigten Staaten gerichtet war. Die Unterzeichnung im Beisein Adolf Hitlers machte Berlin an diesem Tag zum sichtbaren Gravitationszentrum der Achsenpolitik; der Pakt zog rasch Beitritte weiterer europäischer Verbündeter nach sich. Ort, Datum, Unterzeichner und Vertragsinhalt sind durch zeitgenössische diplomatische Sammlungen sowie durch Darstellungen des Deutschen Historischen Museums und anderer Forschungseinrichtungen abgesichert. Der Begriff Reichskanzlei steht dabei für den präzisen Ort der Unterzeichnung, während die Namen Joachim von Ribbentrop, Galeazzo Ciano und Saburō Kurusu die Authentizität der Signaturseite verbürgen.
27. September 1951: Der Deutsche Bundestag legt Grundsätze für freie gesamtdeutsche Wahlen fest
In seiner 165. Sitzung in Bonn beschließt der Deutsche Bundestag Grundsätze für eine Wahlordnung zu freien, allgemeinen, gleichen und geheimen gesamtdeutschen Wahlen unter internationaler Kontrolle. Bundeskanzler Konrad Adenauer kündigt an, dem Parlament die Ausarbeitung einer konkreten Wahlordnung zu übermitteln; die Bundesregierung bekräftigt diesen Schritt später in einer Mitteilung an den Bundestagspräsidenten samt Entwurf „über die Grundsätze für die freie Wahl einer Verfassunggebenden Deutschen Nationalversammlung“. Der Beschluss richtet sich auf ein Wahlverfahren in allen vier Besatzungszonen und in Berlin – ein präziser, wenngleich folgenlos gebliebener rechtlicher Versuch, die deutsche Teilung mit dem Instrument freier Wahlen zu überwinden. Die Stenografischen Berichte der 165. Sitzung belegen Datum und Wortlaut; eine nachfolgende Bundestagsdrucksache sichert den Bezug auf den Beschluss vom 27. September 1951. Damit wird das Parlament – im Blick auf das Reichstagsgebäude Berlin als demokratisches Symbol – zum Ort eines verfassungspolitischen Angebots an ganz Deutschland.
27. September 1960: Christa Wolf beginnt ihr vierzigjähriges Datumsprotokoll Ein Tag im Jahr
Angestoßen durch einen Aufruf der sowjetischen Presse – in der deutschen Berichterstattung häufig mit Verweis auf Iswestija erwähnt – beginnt die in der DDR lebende Schriftstellerin Christa Wolf am 27. September 1960, jedes Jahr exakt an diesem Datum Beobachtungen, Gespräche und Arbeiten eines gewöhnlichen Tages festzuhalten. Aus dem einmaligen Versuch wird eine Serie, die 2003 beim Suhrkamp Verlag als „Ein Tag im Jahr. 1960–2000“ erscheint; ein Nachfolgeband dokumentiert die Einträge des neuen Jahrhunderts. Das Projekt verleiht einem Kalendertag über Jahrzehnte literarische Tiefenschärfe und spiegelt Wandel und Kontinuitäten eines geteilten und später vereinten Landes. Rundfunkbeiträge sowie editorische Hinweise des Verlags präzisieren Datum, Ansatz und Publikationsgeschichte und sichern die Zuordnung zum 27. September. So verbindet sich literarische Selbstbeobachtung mit der Chronik deutscher Zeitgeschichte.
27. September 1998: Die Sozialdemokratische Partei Deutschlands wird stärkste Kraft und leitet den Machtwechsel ein
Bei der Wahl zum 14. Deutschen Bundestag am 27. September 1998 erzielt die Sozialdemokratische Partei Deutschlands unter Gerhard Schröder 40,9 Prozent der Zweitstimmen; zusammen mit Bündnis 90/Die Grünen erreicht sie eine regierungsfähige Mehrheit. Damit wird die zuvor amtierende Bundesregierung vollständig abgewählt – ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Bundeswahlleiterin dokumentiert Datum, Wahlbeteiligung und Endergebnis; Analysen der Bundeszentrale für politische Bildung ordnen die Zäsur nach der Ära Helmut Kohl historisch ein. Für das Verständnis des Ereignisses ist der Zusammenhang von Parteiführung, Koalitionsbildung und programmatischem Wechsel zentral, den die amtlichen Tabellen und Zeitdiagnosen detailliert belegen.
27. September 2009: Wählerschaft bestätigt Angela Merkel und ermöglicht Koalition der Unionsparteien mit der Freien Demokratischen Partei
Am 27. September 2009 wählen die Bürgerinnen und Bürger den 17. Deutschen Bundestag. Die Unionsparteien – Christlich Demokratische Union und Christlich-Soziale Union – bleiben stärkste Kraft; die Freie Demokratische Partei legt deutlich zu, während die Sozialdemokratische Partei Deutschlands ihr bis dahin schwächstes Ergebnis auf Bundesebene verzeichnet. Die Wahlbeteiligung liegt bei 70,8 Prozent. Noch am Wahlabend kündigen Angela Merkel und Guido Westerwelle Gespräche über eine unionsgeführte Koalition mit der Freien Demokratischen Partei an. Datum, Mandatsverteilung und Beteiligungsquote sind in den Unterlagen der Bundeswahlleiterin ausgewiesen; ergänzende Analysen der politischen Bildungseinrichtungen liefern die historische Einordnung.
Ein Datum, viele Geschichten
Der 27. September zeigt ein Panorama deutscher Geschichte zwischen diktatorischem Rechtsentzug, aggressiver Bündnispolitik und nüchterner Parlamentsarbeit – und er zeigt demokratische Richtungsentscheidungen an der Wahlurne. Dass eine Schriftstellerin ausgerechnet an diesem Datum Jahrzehnt für Jahrzehnt ihren Alltag notierte, verschränkt die große politische Bühne mit der Selbstbeobachtung eines Landes. So bleibt der 27. September ein Tag, an dem Deutschland wiederholt Geschichte schrieb – und sie zugleich präzise datierbar hinterließ.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).