Der frühere Verkehrsminister von Baden-Württemberg, Winfried Hermann, hat die Grünen beim Landesparteitag in Offenburg am 18. Oktober 2026 zu einer klareren sozialen Ausrichtung und zu stärkerer politischer Mobilisierung aufgerufen. Er sagte, es schmerze ihn, dass die AfD Nichtwähler rekrutiere, während seine Partei in dieser Gruppe zu wenig erreiche. Die Äußerungen dokumentierte der SWR am Rande und im Verlauf des Parteitags; bundesweite Medien griffen sie auf.
Hermann, 74, forderte eine deutliche Akzentverschiebung hin zu Sozialpolitik, verbunden mit einer langfristigen Strategie für Klimaschutz und Verkehr. Die Partei dürfe nicht nur verwalten, sondern müsse als Diskurspartei Orientierung geben. Dazu zählte er eine stärkere Ansprache von Menschen mit niedrigem Einkommen und eine erkennbare Linie in der Verteilungspolitik, flankiert von verlässlichen Pfaden für die Verkehrswende.
Kern seiner Warnung betraf die Wahlbeteiligung: Nach Hermanns Darstellung bindet die AfD vermehrt frühere Nichtwähler. Diese Diagnose spiegele ein kommunikatives Defizit der Grünen, insbesondere dort, wo Politik als abgehoben wahrgenommen werde. Er drängte Parteivertreterinnen und -vertreter, wieder intensiver das Gespräch an der Basis zu suchen, um Vertrauen zurückzugewinnen und politisches Interesse zu stärken. Es handle sich um eine parteiinterne Mahnung, nicht um eine Kursentscheidung.
Die Intervention fiel in eine Phase selbstkritischer Debatten innerhalb von Bündnis 90/Die Grünen in Baden-Württemberg. Beobachter werten Hermanns Auftritt als Signal, den Regierungsalltag mit einer erkennbaren programmatischen Klammer zu verbinden. Während Befürworter eines pragmatischen Kurses auf Regierungsfähigkeit und umgesetzte Projekte verweisen, betonen Vertreter eines stärker linken Profils die Notwendigkeit, soziale Sicherung, Klimaschutz und Transformation aus einem Guss zu vermitteln. Konkrete Beschlüsse zu Hermanns Vorschlägen fasste der Parteitag nach vorliegenden Berichten nicht.
Unstrittig ist, dass die Frage der Wähleransprache für die Grünen in Baden-Württemberg und darüber hinaus strategisch bleibt. Ob eine sichtbarere soziale Agenda, verbunden mit planbaren Etappen der Klimapolitik, frühere Nichtwähler erreicht, ist offen. Hermanns Appell richtet sich deshalb auf Prozess und Tonlage: weniger Verwaltungssprache, mehr zugängliche Argumente und Präsenz vor Ort. Der SWR und die Tagesschau ordneten seine Aussagen als Beitrag zur innerparteilichen Standortbestimmung ein.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).