Der Leiter des Berliner Landeskompetenzzentrums Pflege 4.0, Simon Blaschke, ruft dazu auf, Berührungsängste gegenüber digitalen Anwendungen in der Pflege systematisch abzubauen. In einem aktuellen Interview mit der Techniker Krankenkasse betont er, digitale Angebote müssten so gestaltet sein, dass Pflegekräfte, Pflegebedürftige und Angehörige sie ohne Hürden verstehen und anwenden können. Nötig seien praktische Einführungen, verlässliche Ansprechstellen für technischen Support sowie alters- und alltagsgerechte Schulungen.
Als zentrale Handlungsfelder nennt Blaschke telemedizinische Angebote, digitale Pflegedokumentation und Assistenzsysteme. Dazu zählen etwa Telekonsultationen, die sich in bestehende Abläufe einfügen müssen. Entscheidend sei, Lösungen früh in Arbeitsprozesse zu integrieren, Verantwortlichkeiten klar zu definieren und Datenschutz nachvollziehbar zu kommunizieren. Erfahrungen aus Projekten in Berlin zeigten, dass eine enge Begleitung durch Fachkräfte und die frühe Einbindung der künftigen Nutzerinnen und Nutzer die Akzeptanz deutlich erhöhen können.
Vor dem Hintergrund von demografischem Wandel und Fachkräftemangel sieht Blaschke in der Digitalisierung in der Pflege wachsenden Handlungsdruck. Zugleich warnt er vor Technikfixierung: Digitale Werkzeuge müssten die pflegerische Arbeit ergänzen, nicht ersetzen. Er plädiert für kontinuierliche, praxisnahe Weiterbildung, die Kompetenzen stärkt und Vertrauen schafft – sowohl bei professionell Pflegenden als auch bei informell Pflegenden in Familien. Akzeptanz entstehe, wenn Schulung, Anwendung und Rückmeldung eng verzahnt sind und Beschäftigte verlässlich wissen, wer für Auswahl, Einführung und Betrieb einer Lösung verantwortlich ist.
Für Berlin skizziert Blaschke mehrere Ansatzpunkte: die Förderung von Modellprojekten, die Einrichtung niedrigschwelliger Beratungsangebote für Seniorinnen und Senioren sowie Koordinationsstellen, die Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser und ambulante Dienste bei Auswahl, Einführung und Betrieb digitaler Systeme unterstützen. Darüber hinaus brauche es eine bessere Vernetzung von Trägern, Kommunen und Gesundheitsdiensten, damit Anwendungen interoperabel sind und nachhaltig betrieben werden können. Aus seiner Sicht erhöht ein verbindlicher Rahmen für Prozesse, Zuständigkeiten und Support die Nutzbarkeit digitaler Werkzeuge spürbar.
Blaschkes Aussagen beziehen sich auf Praxisbeispiele und Anforderungen, die im Interview mit der Techniker Krankenkasse erläutert werden. Die Kernbotschaft lautet, Akzeptanz und Nutzen digitaler Angebote durch klare Prozesse, Schulung und begleitende Unterstützung zu erhöhen. Prognosen über konkrete Zeitpläne oder flächendeckende Einführungen macht Blaschke nicht; er ordnet die Digitalisierung vielmehr als fortlaufenden Veränderungsprozess ein, der politisch, organisatorisch und fachlich begleitet werden müsse.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).