Einen Tag vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus von Berlin steht fest: Der Wahlkampf war ungewöhnlich hart und von mehreren Sonderereignissen bestimmt. Im Mittelpunkt standen ein kurzfristiger Wechsel an der Spitze einer Partei, Ermittlungen wegen des Verdachts auf Korruption gegen prominente Bewerber sowie eine nach einem Anschlag intensivierte Diskussion über innere Sicherheit. Umfragen zeigten bis zuletzt ein enges Rennen um Platz eins.
Die Wahlverwaltung Berlin hat zwölf Landeslisten zugelassen. Aus den letzten Wochen des Wettbewerbs ragen drei Stränge hervor. Erstens sorgte der späte Wechsel eines Spitzenkandidaten für organisatorische und kommunikative Brüche im jeweiligen Lager; die Konkurrenz nutzte die Unruhe, um Führungsstärke zu betonen. Zweitens rückten Ermittlungen von Staatsanwaltschaften gegen einzelne Kandidatinnen und Kandidaten Fragen nach Transparenz, Spendenpraxis und Nebentätigkeiten in den Vordergrund. Behörden betonten die Unabhängigkeit der Verfahren und warnten vor Vorverurteilungen. Drittens verlagerte ein Anschlag in der Stadt die Debatte deutlich hin zu Gefahrenabwehr, Prävention und Ausstattung der Sicherheitsbehörden. Parteien verbanden Sicherheitsversprechen mit Stadtentwicklungs- und Sozialthemen, während die Polizei zu Zurückhaltung bei laufenden Ermittlungen aufrief.
Inhaltlich zeichnet sich damit ein doppelter Akzent ab: Transparenz und Kontrolle staatlichen Handelns auf der einen, Sicherheit und Ordnung auf der anderen Seite. Mehrere Parteien kündigten strengere Regeln für Parteifinanzen, schnellere Offenlegungspflichten sowie spezialisierte Ermittlungsressourcen gegen organisierte Kriminalität an. Zugleich wurden Forderungen nach sichtbarer Präsenz der Polizei, besserer Datenlage im Verfassungsschutz und stabiler Personalplanung erneuert.
Die Dynamik des Wahlkampfs spiegelt sich in späten Verschiebungen bei Veranstaltungen und in der Berichterstattung wider. Wahlkampfauftritte wurden teils unter verstärkten Sicherheitsvorkehrungen durchgeführt. In Fernseh- und Radioformaten des rbb und in der Tagesschau dominierten zuletzt Sicherheitsfragen, Koalitionsoptionen und die Bewertung der Integrität von Amtsträgern. Trotz hoher Aufmerksamkeit blieben die Umfrageabstände knapp, klare Mehrheiten sind vor der Abstimmung nicht absehbar.
Faktisch maßgeblich sind nun die zugelassenen Listen, die organisatorischen Abläufe der Wahlverwaltung und die Mobilisierung am Wochenende. Ob die Themen Sicherheit und Transparenz dauerhafte Mehrheiten verschieben, ist offen; es handelt sich um eine Momentaufnahme unmittelbar vor dem Wahltag am 20. September 2026. Gesicherte Ergebnisse und Koalitionsoptionen werden erst nach Auszählung und Sitzverteilung erkennbar sein.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).