Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, hat im Deutschlandfunk vor möglichen Folgen einer Regierungsübernahme der AfD in Sachsen-Anhalt gewarnt. Sollten die Rechtspopulisten dort die Regierung stellen, würden Jüdinnen und Juden auswandern, sagte die 93-jährige Holocaust-Überlebende am 21. August 2026. Sie befürworte eine Auswanderung nicht, könne Menschen in dieser Lage aber auch nicht entmutigen.
Knobloch knüpfte damit an Aussagen aus einem am 19. August veröffentlichten Gespräch im Magazin Stern an, in dem sie Parallelen zwischen Erscheinungsbild und Rhetorik der AfD und der NSDAP in der Zeit vor 1933 zog. Es handelt sich um ihre persönliche Einschätzung der politischen Lage; ein unmittelbarer Beleg für tatsächliche Migrationsentscheidungen ergibt sich daraus nicht.
Die Warnung fällt in die Schlussphase des Wahlkampfs vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im September 2026. Die AfD strebt dort politischen Einfluss bis hin zu einer Regierungsbildung an. Für jüdische Gemeinden stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage nach der zukünftigen Sicherheit und Verlässlichkeit staatlicher Schutzgarantien sowie nach der politischen Kultur im Land.
Aus den Sicherheitsbehörden kommt seit Längerem Kritik an rechtsextremen Tendenzen innerhalb der Partei. Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer hat wiederholt auf Überschneidungen bei Sprache, Feindbildern und völkischen Vorstellungen hingewiesen und 2025 die Prüfung eines möglichen Verbotsverfahrens gegen die AfD ins Gespräch gebracht. Diese Position ist Teil einer breiteren juristischen und politischen Debatte über die Grenzen zulässiger Parteienbetätigung in der Bundesrepublik und die Rolle des Verfassungsschutzes.
Faktisch ist zu trennen, was belegt ist und was eine Prognose bleibt: Dokumentiert sind Knoblochs Aussagen im Deutschlandfunk sowie ihre Einschätzungen im Stern. Ob und in welchem Umfang eine Regierungsbildung der AfD in Sachsen-Anhalt tatsächlich zu Auswanderungen jüdischer Bürgerinnen und Bürger führen würde, lässt sich derzeit nicht verifizieren und ist eine politische Risikoabschätzung. Für die nächsten Wochen maßgeblich sind der Verlauf der Landtagswahl, mögliche Reaktionen von Sicherheitsbehörden sowie Stellungnahmen jüdischer Organisationen in Deutschland.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).