Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hat in der Marineschule Mürwik in Flensburg Innenminister und Sicherheitsvertreter aus den Ostsee-Anrainerstaaten empfangen. Im Mittelpunkt der Beratungen stehen nach Angaben des Bundesinnenministeriums hybride Bedrohungen, insbesondere die koordinierte Drohnenabwehr und der Schutz kritischer Infrastruktur über Landesgrenzen hinweg.
Unmittelbarer Anlass ist der Fund einer mutmaßlich mit Sprengstoff bestückten Drohne auf dem Vorfeld des Flughafens Leipzig/Halle Anfang August 2026. Dobrindt hatte den Vorfall als Beispiel für ein hybrides Anschlagsszenario bezeichnet und die enge Abstimmung mit Partnerstaaten angemahnt. Ziel des Flensburger Treffens ist es, technische Abwehrmöglichkeiten, rechtliche Handlungsoptionen und Einsatzregeln zwischen den beteiligten Staaten besser zu verzahnen – ohne nationale Zuständigkeiten zu beschneiden. Die Leitung des Austauschs liegt beim Bundesinnenministerium, das in Deutschland die ressortübergreifende Koordinierung des zivilen Bevölkerungsschutzes verantwortet; operative Befugnisse verbleiben bei den jeweils zuständigen Behörden der Staaten.
Auf dem Programm stehen Fachsitzungen und Vorführungen einsatzorientierter Fähigkeiten. Die Spezialeinheit GSG 9 demonstriert laut Veranstaltungsplan eine Schiffsenterung, die Bundespolizei zeigt Verfahren zur Drohnenabwehr an Land. Zudem wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit bei Cybervorfällen, Desinformationskampagnen und bei der Absicherung von Energie- und Kommunikationsnetzen beraten – Bereiche, die als typische Angriffsflächen im Rahmen hybrider Bedrohungen gelten.
Deutschland verweist auf bestehende Koordinierungsstrukturen. Im Juni 2026 ist das Gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen eröffnet worden. Bund und Länder arbeiten an klaren Meldewegen und Ansprechpartnern, um Hinweise zu verdächtigen Drohnenaktivitäten, Cyberangriffen und physischen Sabotageakten rasch zu bündeln und auszutauschen. Das Zentrum soll die nationale Vorsorge stärken und internationale Anknüpfungspunkte bereitstellen.
Konkrete neue Beschlüsse wurden am Abend nicht verkündet. Teilnehmerkreise heben jedoch die Absicht hervor, gemeinsame Übungen auszuweiten, die Echtzeit-Kommunikation zwischen nationalen Lagezentren zu verdichten und Standards für technische Gegenmaßnahmen weiter zu harmonisieren. Offene Punkte betreffen vor allem den Informationsaustausch mit Betreibern kritischer Infrastrukturen sowie die Abgrenzung polizeilicher Aufgaben gegenüber militärischen Fähigkeiten. Änderungen im Beschaffungs- oder Einsatzrecht wurden nicht beschlossen und bleiben Prüfungen und parlamentarischen Beratungen vorbehalten. Die Beratungen in Flensburg zielen damit auf ein abgestimmtes Vorgehen der Ostsee-Anrainerstaaten und eine belastbare, eindeutig zugeordnete Zuständigkeitskette im Ernstfall.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).