Kurz vor dem Schulstart in der Ukraine in der kommenden Woche warnt die Kindernothilfe aus Duisburg vor gravierenden Folgen des andauernden Kriegs für Schülerinnen und Schüler. Die Organisation fordert zusätzliche internationale Mittel für sichere Lernorte, mehr qualifiziertes Personal und erweiterte psychosoziale Angebote für Kinder und Lehrkräfte.
„Der Krieg leert nicht nur Klassenzimmer“, heißt es in einer Mitteilung. Kindern fehle es an Stabilität, sozialen Beziehungen und verlässlichen Perspektiven. Laut Vorstand Carsten Montag erschweren regelmäßige Luftalarme und zerstörte Infrastruktur den Unterricht, vielerorts wechsele der Betrieb zwischen Präsenz, Hybrid- und Distanzformaten. Montag dringt auf gezielte Investitionen in Schutzräume an Schulen, Fortbildungen zu Traumabewältigung sowie Programme, die die Rückkehr in einen möglichst verlässlichen Regelbetrieb unterstützen.
Hilfsorganisationen berichten übereinstimmend, dass Millionen Kinder in der Ukraine weiterhin Bildungsbarrieren erleben. Neben Sicherheitsrisiken belasten Binnenvertreibung und wirtschaftliche Not viele Familien; Schulwege sind unterbrochen, Gebäude beschädigt, Lehrkräfte abgewandert oder zusätzlich beansprucht. UNICEF verweist darauf, dass Lernrückstände sich ohne Gegenmaßnahmen verfestigen können und dass psychosoziale Unterstützung ein wesentlicher Schutzfaktor gegen langfristige Beeinträchtigungen ist.
Für die Organisation und Sicherheit des Schulbetriebs sind in der Ukraine das Bildungsministerium und lokale Behörden zuständig. Präsenzunterricht ist nach Angaben der Hilfswerke vielerorts nur möglich, wenn Schutzräume verfügbar und Abläufe für Alarmfälle eingeübt sind; andernorts müssen Schulen auf Hybrid- oder Distanzformate ausweichen. Das setzt verlässliche Finanzierung technischer Ausstattung voraus – von Endgeräten über Lernplattformen bis zu stabilen Verbindungen – sowie zusätzliche Betreuung, damit Lernfortschritte trotz wechselnder Formate gesichert werden.
UNICEF und andere Partner unterstützen staatliche Strukturen mit Lernförderung, psychosozialer Betreuung und Fortbildungen für Lehrkräfte. Nach Einschätzung der Kindernothilfe ist es darüber hinaus notwendig, Ersatzräume mit geprüften Schutzkonzepten bereitzustellen und koordinierte Maßnahmen für geflüchtete Familien innerhalb der Ukraine und in Aufnahmeländern zu stärken, damit Kinder nicht dauerhaft aus dem Bildungssystem herausfallen.
Der Appell erfolgt viereinhalb Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs am 24. Februar 2022 und vor dem erneuten Schulstart im vierten Kriegs-Schuljahr. Die Hilfswerke betonen, kurzfristige Hilfen und langfristige Investitionen seien kein Widerspruch: Gefordert sind zugleich psychosoziale Ersthilfe, Entlastung der Lehrkräfte und eine widerstandsfähige Bildungsinfrastruktur. Bildung müsse im humanitären Zugang prioritär behandelt werden, damit sich die Normalisierung von Kriegserfahrungen bei Kindern nicht verfestigt.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).