Baden-Württemberg

Ehemaliger Prüfer stellt Stresstest zu Stuttgart 21 infrage und Verbände verlangen Kombibahnhof

Neue Aussagen eines früheren Stresstest-Prüfers sorgen für Zweifel an der Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs. BUND und VCD fordern Gespräche über einen Kombibahnhof.

Neue Aussagen eines früheren Leiters des Prüfinstituts, das 2011 den Stresstest zu Stuttgart 21 geprüft hatte, haben die Debatte über die Leistungsfähigkeit des Tiefbahnhofs neu entfacht. Der Experte sagte in einem Beitrag des Südwestrundfunks, der am 14. und 16. September 2026 ausgestrahlt wurde, die damaligen Simulationen und Annahmen bildeten Störfälle und betriebliche Belastungen nicht ausreichend ab und erlaubten daher keine verlässliche Aussage über die Kapazität des künftigen Bahnhofs.

Als Reaktion fordern der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und der Verkehrsclub Deutschland, weitere Inbetriebnahmeentscheidungen auszusetzen und Gespräche über einen Kombibahnhof aufzunehmen. Beide Verbände sehen in den neuen Zweifeln am Stresstest einen Anlass, Alternativen ernsthaft zu prüfen. Ein Kombibahnhof, also eine Kombination aus oberirdischen und unterirdischen Gleisen, könne nach ihrer Darstellung zusätzliche Kapazitäten schaffen, die Betriebsstabilität erhöhen und Risiken eines ausschließlich unterirdischen Konzepts verringern.

Die Deutsche Bahn verweist demgegenüber auf die damals vorgelegten und politisch bestätigten Nachweise. Aus dem Umfeld politischer Verantwortungsträger in Land und Stadt Stuttgart heißt es, die Vorwürfe müssten sachlich geprüft werden; parallel liefen ohnehin weitere betriebliche und sicherheitsrelevante Analysen. Konkrete Entscheidungen seien von unabhängigen Bewertungen und Abstimmungen zwischen der Deutschen Bahn, dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart abhängig.

Der Stresstest von 2011 war im Zuge der Schlichtung als zentrales Leistungsversprechen für den Tiefbahnhof gewertet worden. Kritiker monieren seit Jahren, die Annahmen zur Pünktlichkeit, zu Haltezeiten und zur Störanfälligkeit seien zu optimistisch gewesen. Die nun geäußerten Zweifel eines früheren Prüfers geben diesen Einwänden neues Gewicht, ohne sie automatisch zu belegen. Ob die Leistungsziele unter realen Bedingungen erreichbar sind, lässt sich erst mit aktualisierten, transparent dokumentierten Szenarien klären.

Politisch und planerisch steigt damit der Handlungsdruck. Zur Debatte stehen zusätzliche technische Nachweise, betriebliche Anpassungen am Tiefbahnhof oder die erneute Prüfung der Option Kombibahnhof. Welche Folgen dies für Zeit- und Kostenrahmen hätte, ist offen. Klar ist: Jede Kurskorrektur müsste tragfähig begründet, rechtlich abgesichert und organisatorisch mit der laufenden Inbetriebnahmeplanung abgestimmt werden. Bis dahin bleibt der Konflikt um Kapazität und Betriebssicherheit von Stuttgart 21 ein zentrales Thema für Baden-Württemberg und darüber hinaus.

Redakteur: Andreas M. Brucker (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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