Ein früherer Leiter eines an der Prüfung beteiligten Unternehmens hat den Stresstest von 2011 zum Bahnprojekt Stuttgart 21 öffentlich infrage gestellt. In einem für einen Dokumentarfilm geführten Interview, das am 14. und 15. September 2026 verbreitet wurde, sagte er, er habe „nicht an diese Kapazitätsrechnungen geglaubt, weil sie wissenschaftlich wertlos waren“. Der Südwestrundfunk griff die Aussagen auf. Projektpartner reagierten umgehend mit Widerspruch oder Distanzierungen.
Der Stresstest war 2011 zum politischen und planerischen Schlüsselgutachten geworden. Er kam zum Ergebnis, dass der geplante unterirdische Tiefbahnhof mit acht Gleisen die damals angesetzten Verkehrsleistungen bewältigen könne. Auf Basis von Simulationen und Annahmen zu Zugfolgen, Ankunfts- und Abfahrtszahlen wurde damit ein zentraler Leistungsnachweis für Stuttgart 21 begründet. Die nun geäußerte Selbstkritik richtet sich ausdrücklich gegen die methodische Verlässlichkeit dieser Simulationen und die damaligen Eingangsdaten.
Vertreter der Deutschen Bahn und beteiligter Unternehmen wiesen den Vorwurf zurück oder erklärten, es handele sich um eine persönliche Einschätzung, die nicht die geprüfte Studienlage wiedergebe. Nach bisher vorliegenden Medienberichten liegen keine neuen formalen Prüfaufträge vor, und es gibt auch noch keine verbindlichen Termine für weitergehende Bewertungen. Mehrere Landesstellen kündigten jedoch an, die neuen Aussagen auszuwerten.
An den rechtlichen und finanziellen Grundlagen ändert die Debatte kurzfristig nichts. Solange die zugrunde liegenden Planfeststellungsbeschlüsse und geprüften Gutachten nicht neu bewertet sind, bleiben die bestehenden Verträge und Verfahren in Kraft. Entscheidend für das weitere Vorgehen werden drei Punkte sein: erstens, in welchem Umfang die politischen Entscheidungen 2011 tatsächlich am Ergebnis des Stresstests hingen; zweitens, ob sich die damaligen Annahmen mit heutigen Simulationswerkzeugen reproduzieren oder widerlegen lassen; drittens, welche konkreten Folgen eine Neubewertung für Bauabläufe und Inbetriebnahmeplanung hätte.
Die Aussagen belasten das Vertrauen in einen zentralen Referenzbericht des umstrittenen Großprojekts weiter. Zugleich verdeutlichen sie, dass die Leistungsfähigkeit des künftigen Bahnknotens Stuttgart weiterhin umkämpft ist. Stuttgarter Zeitung, Tagesschau und Südwest Presse berichten übereinstimmend über die Vorwürfe und die Reaktionen der Projektbeteiligten. Ob daraus ein förmliches Nachprüfverfahren entsteht, ist offen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).