Die Evangelische Heimstiftung hat in ihrer neuen Regionalküche in Neuenstadt am Kocher Einwegplastik weitgehend durch kompostierbare Schalen aus Zuckerrohr ersetzt. Nach einem Bericht von SWR Aktuell vom 28. August 2026 ist die Küche seit Mai 2026 in Betrieb und beliefert rund 50 Einrichtungen der Trägerin. Die Umstellung betrifft einen großen Teil der warmen und kalten Speisen, die nun in sogenannten Bagasse-Schalen ausgeliefert werden.
Die Heimstiftung gibt an, im laufenden Jahr etwa eine Million dieser Schalen zu beziehen. Das Material entsteht als Nebenprodukt der Zuckerrohrverarbeitung, ist hitze- und kältebeständig und grundsätzlich kompostierbar. Damit sinkt der Anteil an Restmüll aus Kunststoffen in den belieferten Pflegeheimen. Zugleich entstehen neue Anforderungen an die Entsorgung: Die Schalen werden in den Häusern separat gesammelt und über einen Entsorger einer Kompostieranlage zugeführt. Nach Angaben der Heimstiftung ist dieser gesonderte Weg nötig, weil kommunale Sortieranlagen kompostierbare Einwegverpackungen teils als Fremdstoff aussortieren.
Hintergrund der Entscheidung sind fachliche und rechtliche Impulse. Seit dem EU-Einwegkunststoffverbot wächst in der Gemeinschaftsverpflegung der Druck, Alternativen zu erdölbasiertem Einwegmaterial zu nutzen. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass kompostierbare Verpackungen nur dann ökologisch wirken, wenn Sammlung und Verwertung tatsächlich funktionieren. Für die Praxis der Pflegeheime bedeutet dies: getrennte Erfassung, verlässliche Abholung, klare Informationen für Mitarbeitende und Bewohner sowie vertraglich gesicherte Annahme in der Kompostierung.
Die Heimstiftung nennt die Verringerung von Müllmengen und die Ausrichtung an Nachhaltigkeitszielen als Motive. Aus Sicht von Entsorgern und Kommunen entscheidet die Organisation der Wertstoffströme darüber, ob solche Lösungen Kreisläufe schließen oder lediglich Materialarten verschieben. Kostenfragen bleiben offen: Kompostierbare Einwegverpackungen sind oft teurer als Standardplastik, können jedoch Entsorgungsgebühren im Restmüll senken, wenn Sammel- und Verwertungswege etabliert sind. Belastbare Aussagen dazu hängen von lokal vereinbarten Tarifen, Transportwegen und den Mengenströmen ab.
Die Regionalküche in Neuenstadt am Kocher ist Teil einer breiteren Debatte in Baden-Württemberg über die Reduktion von Einwegabfällen in der Außer-Haus-Verpflegung. Der aktuelle Schritt der Evangelischen Heimstiftung gilt als praktischer Test, wie sich nachhaltigere Materialien in großen Versorgungssystemen umsetzen lassen. Ob weitere Träger folgen, dürfte von Versorgungssicherheit, Kostenentwicklung und von der Akzeptanz der Kompostieranlagen abhängen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).