Beim Tag des Mittelstandes in der Handelskammer Hamburg haben Vertreterinnen und Vertreter aus Handel, Handwerk, Dienstleistung und Industrie am 7. September 2026 zügige politische Entscheidungen gegen den Fachkräftemangel, für mehr bezahlbaren Wohnraum sowie für praxistaugliche Förderung von Künstlicher Intelligenz (KI) verlangt. Sie warnten vor Belastungen für Wachstum und Versorgung, wenn Verfahren und Investitionsanreize weiter stocken.
Der Präsident der Handwerkskammer Hamburg, Hjalmar Stemmann, forderte klare Signale und schnelle Umsetzungen, damit Betriebe wieder stärker investieren und ausbilden. Dazu gehörten nach seinen Angaben effizientere Einwanderungsverfahren und zusätzliche Kapazitäten für Unterkünfte von Auszubildenden. Offizielle Auswertungen zum Hamburger Ausbildungsmarkt zeigen zugleich, dass Interesse an Ausbildung gestiegen ist, Betriebe aber weniger Lehrstellen melden – Angebot und Nachfrage driften auseinander.
Engpässe am Wohnungsmarkt wurden als zentrales Standortproblem bewertet. Für Hamburg weisen aktuelle Auswertungen ein Wohnungsdefizit im fünfstelligen Bereich aus; eine zusammenfassende Analyse für Norddeutschland bezifferte Ende August 2026 den Fehlbestand in der Hansestadt auf rund 23.000 Wohnungen. Das erschwere die Rekrutierung, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Genannt wurden beschleunigte Baugenehmigungen für Azubi-Wohnheime, die erleichterte Umnutzung leerstehender Büroflächen sowie Maßnahmen zur Sicherung bestehender Gewerbeflächen.
Beim Thema Technologie betonten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Produktivitätschancen von KI und datengetriebenen Anwendungen. In KMU hänge die Umsetzung jedoch von passgenauer Förderung, niedrigschwelligen Beratungsangeboten und verfügbarer Qualifikation ab. Vorschläge reichten von landesgestützten Transformationsprogrammen über praxisnahe Pilotprojekte mit Hochschulen bis zur Förderung betrieblicher Weiterbildungen.
Die Veranstaltung machte deutlich, dass Hamburgs Mittelstand kurzfristige Entlastungen und verlässliche Rahmenbedingungen verlangt. Konkrete politische Beschlüsse wurden am Montag nicht verkündet. Angekündigt wurden vertiefende Gespräche zwischen Kammern, Hamburgs Senat und Branchenvertretern, um mögliche Schritte zu konkretisieren. Im Fokus stehen laut Teilnehmern schnellere Verfahren, planbare Förderung und ein besser verzahntes Vorgehen von Bund, Land und Kommunen.
Damit verbindet der Mittelstand die Erwartung, dass Personalgewinnung, Wohnraum- und Flächenpolitik sowie digitale Transformation gemeinsam gedacht werden. Ob die angestoßenen Gespräche zügig zu rechtssicheren Vereinfachungen und wirksamen Investitionsanreizen führen, ist offen. Klar ist: Ohne zusätzliche Ausbildungskapazitäten, beschleunigten Wohnungsbau und praxistaugliche Unterstützung bei KI-Projekten dürfte die Lücke bei Personal und Produktivität bestehen bleiben.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).