Baden-Württemberg

Leerstand nimmt zu: Baden-Württembergs Innenstädte suchen neue Konzepte

Aktuelle SWR-Recherchen und amtliche Daten zeigen zunehmenden Leerstand in Baden-Württemberg; Kommunen und Handel beraten Gegenmaßnahmen.

Eine neue SWR-Recherche, ausgestrahlt am 8. Oktober 2026, rückt den Leerstand in Baden-Württembergs Innenstädten erneut in den Fokus und hat eine landesweite Debatte über Gegenstrategien ausgelöst. Nach amtlichen Angaben ist die Zahl der Geschäfte seit 2018 zurückgegangen; der Einzelhandel verzeichnet zugleich ein schwieriges Umfeld mit veränderten Konsumgewohnheiten und einer wachsenden Bedeutung des Online-Handels.

Konkrete Beispiele verdeutlichen die Spannweite: In Lahr stehen nach Angaben aus der örtlichen Werbegemeinschaft mehr als 40 Ladenlokale leer. Wangen im Allgäu gilt dagegen als Gegenbeispiel, wo ein hoher Anteil inhabergeführter Geschäfte, wenige Filialketten und eine hohe Aufenthaltsqualität die Innenstadt beleben. Kommunalvertreterinnen und -vertreter nennen als Ursachen hohe Mieten, Nachfolgeprobleme im Handel und eine Verlagerung der Käufe ins Internet. Händler berichten zudem von steigenden Kosten und zurückhaltender Kundschaft.

Das Statistische Landesamt verweist auf einen längerfristigen Strukturwandel: Im Land hat sich die Zahl der Betriebe im Einzelhandel seit einigen Jahren verringert, während Umsätze und Beschäftigtenzahlen regional sehr unterschiedlich verlaufen. Diese Differenzen gelten in der Debatte als zentrales Argument für lokal zugeschnittene Maßnahmen statt pauschaler Programme.

Aus der Landespolitik werden vor allem zwei Linien diskutiert: kurzfristige Instrumente zur Belebung der Erdgeschosszonen und langfristige Stadtentwicklung. Fachleute empfehlen flexiblere Nutzungsmischungen, Zwischennutzungen durch Kultur, Bildung oder Handwerk sowie Anreize für Kurzzeitvermietungen. Daneben werden Verbesserungen bei Erreichbarkeit, Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität genannt, um Frequenzen zu erhöhen und Verweilzeiten zu verlängern.

Förderprogramme wie die Städtebauförderung und Initiativen zur Innenentwicklung werden in mehreren Kommunen geprüft oder ausgeweitet. Dabei geht es um die Umnutzung leerer Läden für nicht-kommerzielle Angebote, die Stärkung lokaler Wochenmärkte und neue Formate wie Showrooms oder gemeinsame Logistiklösungen für den stationären Handel. Handelsverbände mahnen, Maßnahmen gegen Leerstand mit einer Entlastung kleiner und mittlerer Unternehmen zu verbinden.

Die Folgen des Leerstands sind nicht nur ökonomisch: In betroffenen Quartieren schrumpft das Angebot der Nahversorgung, soziale Treffpunkte gehen verloren, und Immobilienwerte können unter Druck geraten. Der Schwerpunkt der Debatte liegt daher auf einer verlässlichen Kombination aus kurzfristiger Aktivierung und langfristiger Planung. Das Beispiel Wangen im Allgäu zeigt, dass eine konsequent auf Aufenthaltsqualität, lokale Angebote und klare Stadtplanung ausgerichtete Strategie Wirkung entfalten kann. Der Umgang mit dem Strukturwandel bleibt jedoch kommunenspezifisch und verlangt belastbare Datengrundlagen sowie Kooperation zwischen Landesregierung, Städten und dem Einzelhandel.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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