Aktuell

Mehr Kalmare in der südlichen Nordsee: Fischer melden deutlichen Anstieg

Fangmeldungen aus der südlichen Nordsee häufen sich: 2026 landen vermehrt Kalmare in Netzen. Forschende sehen klimatische Faktoren, Regeln bleiben offen.

Am 5. September 2026 berichten Küstenfischer und Fachmedien über deutlich häufigere Kalmare in der südlichen Nordsee – vor den Küsten der Niederlande und Belgiens sowie in angrenzenden deutschen Gewässern. Überregionale Hinweise kursieren seit dem 22. August; seither mehren sich Fangmeldungen, wonach die Tiere in Grundschleppnetzen und Krabbennetzen auffällig oft mitgefangen werden. Betriebe sprechen von Zusatzerlösen, zugleich von Mehraufwand bei Sortierung und Vermarktung.

Wissenschaftliche Einrichtungen ordnen das Geschehen ein. Das Johann Heinrich von Thünen-Institut verweist in Studien auf rasche Bestandsschwankungen bei Kopffüßern und auf eine mögliche Zunahme von Tintenfischen in einer wärmer werdenden Nordsee. Ein jüngst aktualisierter regionaler Bestimmungsschlüssel erleichtert die sichere Artansprache; das verbessert die Datengrundlage für Forschung und Verwaltung. Als ökologische Faktoren gelten kurze Lebenszyklen, hohe Reproduktionsraten und die Doppelfunktion der Tiere als Räuber und Beute. Fachleute halten deshalb Verschiebungen in Nahrungsnetzen für möglich, deren Ausmaß aber noch nicht abschätzbar ist.

Für die Krabbenfischerei ergeben sich unmittelbare Folgen an Bord: mehr Beifang, teils angepasste Maschen und Sortierwege. Über die mittelfristigen ökonomischen Effekte gibt es noch keine belastbaren Aussagen. Fest steht: Die Bestände von Kalmaren schwanken stark; eine einzelne starke Kohorte kann kurzfristig das Fangbild prägen, ohne einen dauerhaften Trend zu garantieren. Aussagen über Langzeitfolgen bleiben daher vorsichtig.

Regulatorisch ist die Lage uneinheitlich. Tintenfische sind in der Gemeinsamen Fischereipolitik weitgehend nicht durch Fangquoten geregelt. Damit fehlen für eine potenziell entstehende Kalmarfischerei spezifische Bewirtschaftungsregeln, etwa zu selektiven Techniken oder Meldepflichten. Expertinnen und Experten empfehlen ein engmaschigeres Monitoring, präzisere Erfassung in Logbüchern und eine Abstimmung zwischen EU-Kommission und Mitgliedstaaten, um ökologische Risiken und wirtschaftliche Chancen ausgewogen zu berücksichtigen. In deutschen Bereichen der Ausschließlichen Wirtschaftszone wären flankierende Vorgaben auf Bundes- und Länderebene mit der EU-Rechtslage abzustimmen.

Unstrittig ist aktuell nur der beobachtbare Zuwachs in den Fängen 2026 und die größere Aufmerksamkeit, die Kalmare in der Nordsee derzeit erhalten. Ob sich daraus ein stabiler Trend ergibt, bleibt offen. Bis belastbare Zeitreihen vorliegen, gilt die Devise: Daten verbessern, Vorsorge wahren und Wege zur marktfähigen Nutzung prüfen, ohne die Funktionsfähigkeit des Ökosystems zu gefährden.

Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

Anzeige

Aus dem PHOTRA-Netzwerk