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Nature-Studie: Aufmerksame Selbstwahrnehmung verringert Histamin-Hautreaktion binnen Minuten

Ein Team der Bar-Ilan-Universität berichtet in Nature Human Behaviour, dass bewusste Interozeption eine akut ausgelöste Hautreaktion messbar abschwächt – während Ablenkung sie verstärkt.

Eine am 17. August 2026 in Nature Human Behaviour veröffentlichte Laborstudie zeigt: Richtet sich die Aufmerksamkeit bewusst auf eine akut ausgelöste Hautreaktion, fällt sie geringer aus, als wenn sich Teilnehmende ablenken. In den Experimente n wurden lokal durch einen Histamin-Hauttest Quaddeln und Rötungen provoziert. Innerhalb von drei Minuten zeigten sich Unterschiede zwischen den Bedingungen: Der maximale Quaddeldurchmesser lag unter aufmerksamer Selbstwahrnehmung im Mittel bei rund 3,5 Millimetern gegenüber etwa 5,0 Millimetern unter Ablenkung; auch die Hautrötung war signifikant reduziert. Nach Angaben der Autorinnen und Autoren reagierten etwa 90 Prozent der Probanden stärker bei externer Ablenkung als bei Interozeption.

Durchgeführt wurde die Arbeit von Forschenden der Bar-Ilan-Universität und der Azrieli Faculty of Medicine. Das Team kombinierte kontrollierte Aufmerksamkeitsmanipulationen mit objektiven Messgrößen der Hautreaktion und autonomer Physiologie. In einem weiteren Experiment wurde die periphere sensorische Rückmeldung durch lokale Betäubung teilweise ausgeschaltet. Der dämpfende Effekt der inneren Aufmerksamkeit schwächte sich dadurch, blieb aber nachweisbar. Die Forschenden deuten dies als Hinweis auf zwei ergänzende Mechanismen: eine sensorabhängige Modulation am Ort der Reaktion sowie eine top-down-gesteuerte Beteiligung parasympathischer Pfade, möglicherweise vermittelt über den Vagus. Es handelt sich um eine Interpretation der Daten, nicht um einen gesicherten Wirkmechanismus.

Die Ergebnisse liefern direkte experimentelle Hinweise darauf, dass kognitive Zustände kurzfristig immunologisch relevante Prozesse beeinflussen können. Sie fügen sich in frühere Befunde zur Aufmerksamkeitslenkung bei Schmerz und in psychoneuroimmunologische Studien ein, die veränderte Entzündungsmarker unter Stressreduktion und Achtsamkeit berichten. Die Übertragbarkeit ist jedoch begrenzt: Untersucht wurden akute, im Labor durch Histamin erzeugte Reaktionen unter eng kontrollierten Bedingungen. Aussagen zu chronischem Pruritus oder entzündlichen Hauterkrankungen wie Atopische Dermatitis sind damit nicht belegt und erfordern gesonderte klinische Studien.

Für Deutschland ist die Arbeit vor allem als Forschungsimpuls relevant. In der Versorgung werden psychologische und edukative Elemente bereits genutzt; die S3-Leitlinie Atopische Dermatitis der AWMF weist auf den Stellenwert strukturierter Schulungsprogramme hin. Ob gezielte Aufmerksamkeitsinterventionen – etwa interozeptive Trainings – klinisch relevante Entzündungen bei Patientinnen und Patienten mindern oder Arzneitherapien ergänzen können, muss prospektiv geprüft werden. Anwendungsnahe Studien mit längeren Beobachtungszeiträumen, objektiven Entzündungsmarkern und klinischen Endpunkten wären der nächste Schritt.

Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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