Der Jurist und Schriftsteller Philippe Sands hat bei der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels am 11. Oktober 2026 in der Paulskirche in Frankfurt am Main Deutschlands Haltung zum Nahostkonflikt kritisiert. In seiner Dankesrede forderte er, mutmaßliche Verstöße gegen das Völkerrecht auch bei engen Partnern klar zu benennen. Das weithin wahrgenommene Schweigen zu Israels Vorgehen im Gazastreifen und im Westjordanland nannte er problematisch und rief zu einer konsequenten Anwendung des Rechts unabhängig von Bündnisbeziehungen auf.
Die Auszeichnung wird vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels verliehen und gilt als eine der renommiertesten kulturpolitischen Ehrungen in Deutschland. Sands nutzte den feierlichen Rahmen, um Grundprinzipien des internationalen Rechts in den Mittelpunkt zu stellen. Dem Frieden, so sein Kernargument, müsse Gerechtigkeit vorausgehen; politische Rücksichten dürften nicht dazu führen, dass Rechtsbrüche unbeachtet bleiben.
Sands’ Appell richtet sich ausdrücklich an Deutschland. Beobachter verweisen darauf, dass die Bundesregierung Israels Sicherheit als Staatsräson bezeichnet und in internationalen Gremien häufig an der Seite Israels steht. Zugleich wächst seit Beginn des Gaza-Kriegs die innenpolitische Debatte, wie sich Solidarität mit Israel und die Verpflichtung auf das humanitäre Völkerrecht miteinander vereinbaren lassen. Sands ordnete seine Aussagen in diese Auseinandersetzung ein, ohne deren politische Verantwortungsträger namentlich zu adressieren.
Der 1960 geborene französisch-britische Rechtsanwalt ist Professor für internationales Recht und Autor mehrerer vielbeachteter Bücher zum Thema. Bekannt wurde er unter anderem durch Arbeiten zu den Begriffen Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord sowie durch Verfahren vor internationalen Gerichten. Mit dem Friedenspreis würdigt die Branche seinen langjährigen Einsatz für eine Rechtsordnung, die universelle Geltung beansprucht.
Die Verleihung fand im Rahmen der Frankfurter Buchmesse statt. Der Friedenspreis wird traditionell am Messe-Sonntag in der Paulskirche überreicht. In diesem Jahr erhielt Sands die Auszeichnung vor einem Publikum aus Kultur, Politik und Wissenschaft. Medienberichte dokumentierten zentrale Passagen seiner Rede und hoben die Aufforderung hervor, rechtliche Maßstäbe unabhängig vom Konfliktkontext konsequent anzulegen.
Damit setzt der Preisträger einen Akzent in einer aufgeheizten Debatte: Die Kritik an konkreten Handlungen eines Partners, so seine Botschaft, sei mit Solidarität vereinbar, wenn sie sich auf überprüfbare rechtliche Normen stütze.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).