Bei der Kiellegung des dritten Flottendienstbootes der Klasse 424 auf der Peene-Werft in Wolgast hat Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius am 14. September 2026 die Vorbereitung der Beschaffung eines vierten Schiffes dieser Serie angekündigt. Eine verbindliche Auftragsvergabe ist daran geknüpft, dass der Deutsche Bundestag die erforderlichen Haushaltsmittel bewilligt.
Für den Standort Wolgast kommt die Ankündigung zu einem sensiblen Zeitpunkt. Nach dem Stopp des Fregattenprojekts F126 im Sommer 2026 drohte der Peene-Werft ab 2027 eine Auftragslücke. Die Werft arbeitet in Verbünden mit weiteren norddeutschen Standorten an Marineschiffbauprojekten und ist bei den drei bereits beauftragten Flottendienstbooten in die Sektionenfertigung eingebunden. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig begrüßte die Ankündigung und warb um Unterstützung im Haushaltsausschuss des Bundestags, damit die zusätzliche Einheit tatsächlich beauftragt werden kann.
Die Flottendienstboote der Klasse 424 sind spezialisierte Aufklärungsschiffe der Deutschen Marine. Sie verfügen über Technik zur elektronischen Überwachung und zur Auswertung elektromagnetischer und akustischer Signale. Nach bisherigem Plan sollen die drei im Bau befindlichen Einheiten ab 2029 zulaufen. Ein viertes Schiff würde die Serie erweitern und zusätzliche Auslastung für beteiligte Werften und Zulieferer sichern. Pistorius begründete den Bedarf mit der veränderten Sicherheitslage und einem gestiegenen Bedarf an maritimen Aufklärungsfähigkeiten.
Zugleich machten Bund und Land deutlich, dass die Ankündigung keine rechtliche Verpflichtung darstellt. Erst der Parlamentsbeschluss über den Haushalt schafft die Grundlage für einen rechtsverbindlichen Vertrag mit den Hauptauftragnehmern und den beteiligten Werften. Bis dahin handelt es sich um eine politische Initiative mit Signalwirkung für Mecklenburg-Vorpommern und die norddeutsche Schiffbauindustrie. Konkrete Angaben zu Kosten, Losgrößen oder einem möglichen Lieferprofil nannte der Minister nicht; diese Fragen sollen im parlamentarischen Verfahren beraten werden.
Für die Region Vorpommern wären die wirtschaftlichen Effekte unmittelbar: Ein zusätzlicher Bauauftrag würde Beschäftigung stabilisieren und Planungssicherheit in einer Phase geben, in der die industrielle Auslastung stark von Großprojekten abhängt. Politisch fügt sich die Initiative in die Debatte über Fähigkeitslücken der Bundeswehr und den Ausbau industrieller Kapazitäten ein. Ob das vierte Flottendienstboot kommt, entscheidet sich letztlich im Bundestag und in dessen Haushaltsausschuss. Bis dahin bleibt der Wolgaster Werftstandort gefordert, die laufenden Arbeiten an den drei bereits beauftragten Schiffen planmäßig voranzubringen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).