Politik

Ratspräsident Costa will in Wochen neuen Europäische Union‑Haushaltsvorschlag vorlegen

Beim EU‑Gipfel in Brüssel blieb der Mehrjährige Finanzrahmen 2028–2034 strittig. Ratspräsident António Costa kündigte einen neuen Verhandlungsvorschlag in den kommenden Wochen an; Deutschland drängt auf Begrenzungen.

Beim EU‑Gipfel in Brüssel am 15. und 16. Oktober 2026 ist keine Einigung auf den Mehrjährigen Finanzrahmen 2028–2034 erzielt worden. Europäischer Ratspräsident António Costa kündigte an, er werde in den kommenden Wochen einen neuen Verhandlungsvorschlag vorlegen. Der Rat nannte dazu weder einen konkreten Termin noch Zahlen.

Nach Angaben aus Teilnehmerkreisen dreht sich der Streit vor allem um die Gesamtgröße des Finanzrahmens und um mögliche neue Eigenmittel der Europäischen Union. Die Europäische Kommission wirbt für mehr Mittel, um Prioritäten wie Verteidigung, Wettbewerbsfähigkeit und die Unterstützung für die Ukraine auf verlässliche Basis zu stellen. Mehrere Nettozahler – darunter Deutschland, Schweden und die Niederlande – lehnen deutliche Beitragserhöhungen und zusätzliche EU‑Steuern ab.

Bundeskanzler Friedrich Merz bekräftigte vor und während der Beratungen, Deutschland erwarte einen schlankeren Ansatz und wolle die Belastungen für den Bundeshaushalt begrenzen. Die Bundesregierung stellt zugleich die Finanzierung bereits beschlossener EU‑Programme nicht in Frage, pocht aber auf Umschichtungen und Effizienzgewinne, bevor neue Einnahmequellen erschlossen werden.

Formell erfordert der Finanzrahmen die Einstimmigkeit der 27 Mitgliedstaaten. Costa will daher in bilateralen Konsultationen ausloten, wo sich Kompromisse bei Volumen, Finanzierungsmechanismen und Flexibilität für Krisenreaktionen abzeichnen. Beobachter verweisen darauf, dass selbst begrenzte Anpassungen an Schlüsselklauseln Blockaden lösen könnten. Ob der überarbeitete Vorschlag ausreichend Rückhalt findet, ist offen.

Für Deutschland hat der Zeitplan unmittelbare Bedeutung. Ein anhaltender Stillstand würde die Planungssicherheit für langfristige EU‑Programme beeinträchtigen und Zusagen für die Ukraine erschweren. Zugleich steht Berlin innenpolitisch unter dem Druck, die Schuldenbremse einzuhalten und Mehrausgaben in der Europäischen Union nachvollziehbar zu begründen.

Unabhängig vom Ausmaß des künftigen Rahmens bleibt der politische Zielkonflikt bestehen: Die Kommission drängt auf Investitionen in gemeinsame Güter, während Nettozahler auf Haushaltsdisziplin pochen. Der nun erwartete Vorschlag des Ratspräsidenten soll diese Linien zusammenführen. Konkrete Kompromisse – etwa zur Staffelung von Zahlungen, zur Ausgestaltung neuer Eigenmittel oder zu Reserven für Notlagen – wurden bisher nicht öffentlich verhandelt. Bis zur nächsten Sitzung des Europäischen Rates dürfte daher vor allem hinter den Kulissen um Zahlen, Prioritäten und Formulierungen gerungen werden.

Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

Ende des Artikels

Anzeige

Aus dem PHOTRA-Netzwerk