Einzelne Gemüsebaubetriebe in Schleswig-Holstein greifen bei der Rekrutierung von Saisonkräften erstmals auf Personal aus Nepal zurück. Nach Recherchen des NDR berichten Betriebe, seit 2025 Nepalese angeworben und eingesetzt zu haben. Ein Hof aus dem Kreis Steinburg gab an, 2025 erstmals und 2026 erneut Gruppen von jeweils rund zehn Erntehelfern beschäftigt zu haben. Die Beispiele zeigen, wie der Arbeitskräftemangel die Suche nach Personal in neue Herkunftsländer ausdehnt und Betriebe in der Ernteplanung neue Wege gehen lässt.
Als Gründe nennen die Betriebe gestiegene Kosten, ein knapperes Angebot verlässlicher Kräfte aus klassischen Herkunftsländern wie Polen, Rumänien und Bulgarien sowie zunehmende Konkurrenz anderer Branchen und Länder. Kurze Erntefenster und ein höherer Organisationsaufwand verschärfen den Zeitdruck, zumal Ernteausfälle unmittelbare wirtschaftliche Folgen haben. Für den arbeitsintensiven Gemüsebau bedeutet dies: Ohne ausreichend Saisonkräfte geraten Pflanz-, Pflege- und Erntearbeiten in Engpässe, die sich kaum verschieben lassen.
Von einer flächendeckenden Praxis in Schleswig-Holstein kann nach heutigem Stand nicht gesprochen werden. Die vom NDR am 22. August 2026 geschilderten Fälle deuten jedoch auf wachsende Experimentierbereitschaft bei der Personalgewinnung hin, um den Kernbedarf in arbeitskritischen Wochen abzusichern.
Rechtlich ist Saisonarbeit aus Drittstaaten in Deutschland grundsätzlich möglich, setzt aber ein Visum und die Zustimmung der Bundesagentur für Arbeit voraus. Die deutschen Auslandsvertretungen erteilen die Visa; die regionalen Arbeitgeberservices begleiten die Verfahren und prüfen unter anderem Entgelthöhe, Beschäftigungsbedingungen und Unterbringung. Betriebe berichten von zusätzlichen Kosten für Vermittlung, Reise und Verwaltung; zugleich gelten Mindestlohn, Arbeitszeitvorgaben und Dokumentationspflichten. Die Einhaltung der Standards kann von Behörden stichprobenartig kontrolliert werden. Da Abläufe von der Terminlage in Auslandsvertretungen und der Bearbeitungsdauer abhängen, fließen administrative Vorläufe unmittelbar in die Ernteplanung ein.
Auf politischer Ebene hatte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales 2023 Schritte zur fairen Anwerbung von Fachkräften aus Nepal kommuniziert. Spezifische Programme für die landwirtschaftliche Saisonarbeit sind derzeit nicht bekannt; die aktuellen Einsätze beruhen auf betrieblichen Einzelentscheidungen im Rahmen des geltenden Rechts. Für den Gemüsebau in Schleswig-Holstein bleibt die Verfügbarkeit von Saisonkräften ein zentraler Kosten- und Wettbewerbsfaktor. Ob sich die Rekrutierung in Nepal und weiteren Drittstaaten zu einem belastbaren Trend entwickelt, ist offen und hängt von Lohn- und Arbeitsmarktentwicklungen in Europa, administrativen Verfahren sowie der praktischen Umsetzbarkeit auf den Betrieben ab. Die internationale Anwerbung erhöht in jedem Fall die Komplexität des Personalmanagements.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).