Der Bund der Steuerzahler hat am 1. Oktober 2026 sein aktuelles Schwarzbuch vorgestellt und darin zehn Fälle aus Niedersachsen hervorgehoben. Nach übereinstimmenden Angaben des Verbandes und des Norddeutschen Rundfunks stehen Kostensteigerungen, Planungsfehler und unklare Betriebskonzepte im Zentrum der Kritik. Insgesamt listet der Landesverband elf Fälle für Niedersachsen und Bremen, davon zehn in Niedersachsen.
Als besonders kostenträchtig nennt der Bund der Steuerzahler die Friesenbrücke. Nach dem Schiffsunfall 2015 seien die technischen Anforderungen für den Ersatzneubau deutlich gestiegen; das Projekt habe sich laut Schwarzbuch in den Kosten um mehrere hundert Millionen Euro verteuert. Der Verband ordnet dies als Symptom einer Förderlogik ein, bei der verfügbare Zuschüsse Projekte antreiben, nicht der kommunale Bedarf.
Mehrere kommunale Bäder werden als Beispiele für aus dem Ruder gelaufene Bau- und Betriebskosten geführt. Für das Freibad am Flötenteich in Oldenburg vermerkt das Schwarzbuch eine Verfünffachung des ursprünglich veranschlagten Budgets und eine Eröffnung erst bis 2028. Wiederkehrende Mängel seien unklare Finanzierungsmodelle, unterschätzte Betriebskosten und fehlende Nutzungsstrategien.
Das Thalasso Meeres Spa Horumersiel im Wangerland wird als Fall massiver Mehrkosten genannt, an den sich die Insolvenz der örtlichen Tourismusgesellschaft anschloss. Laut NDR steht der Komplex zudem im Fokus der Staatsanwaltschaft Oldenburg. Als weitere Beispiele führt der Verband die Porzellanmanufaktur Fürstenberg mit anhaltenden Verlusten, einen verlustreichen Pachtvertrag in Otterndorf sowie eine nicht realisierte S-Bahn-Station in Springe an, für deren Planung öffentliche Mittel geflossen seien. In Einbeck und anderen Kommunen kritisiert der Verband mangelnde Kostenkontrolle.
Der Bund der Steuerzahler leitet aus den Fällen politische Forderungen ab: strengere Wirtschaftlichkeitsprüfungen vor Förderzusagen, verbindliche Betrachtungen der Lebenszykluskosten und mehr Transparenz in Vergabeverfahren. Kritiker des Verbandes sehen dagegen eine selektive Fallauswahl und politische Gewichtungen; die im Schwarzbuch genannten Bewertungen sind den Autoren des Verbandes zuzurechnen. Unstrittig ist, dass mehrere Projekte deutlich teurer wurden oder Verzögerungen erlitten.
Die Nennung der Fälle und Bewertungen basiert auf der Veröffentlichung des Bundes der Steuerzahler und der Berichterstattung des NDR vom 1. Oktober 2026. Der Landesverband hatte die Auswahl der norddeutschen Fälle bereits im Schwarzbuch 2025/26 dokumentiert; der aktuelle Anlass ist die nun erfolgte Vorstellung und mediale Aufbereitung mit Fokus auf Niedersachsen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).