Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation (International Maritime Organization, IMO) hat am 28. August 2026 mitgeteilt, dass rund 400 Handelsschiffe mit insgesamt etwa 6.000 Seeleuten den Persischen Golf weiterhin nicht sicher verlassen können. Die Angabe bezieht sich auf den Stichtag der Erklärung und gilt als derzeit belastbarste offizielle Schätzung zur Lage in der Straße von Hormus.
Als Gründe nennt die IMO anhaltende Sicherheitsrisiken in der Region, darunter Angriffe auf Schiffe, die Gefahr durch Seeminen und unklare Zuständigkeiten bei der Räumung betroffener Seegebiete. Die Organisation betont, dass die Sicherheit der Besatzungen Priorität habe. Generalsekretär Arsenio Dominguez erneuerte den Appell an die verantwortlichen Akteure, die freie und sichere Schifffahrt in der Meerenge wiederherzustellen.
Nach Angaben der IMO haben einzelne Einheiten die Region zwar verlassen, insgesamt bleibt die humanitäre Lage für viele Seeleute jedoch angespannt. Berichtet werden verzögerte Lohnzahlungen, eingeschränkter Zugang zu medizinischer Versorgung und Schwierigkeiten bei der Ablösung von Besatzungen. Die IMO verweist auf bereits erarbeitete Koordinations- und Evakuierungspläne, deren Umsetzung jedoch aufgrund neuer Sicherheitsvorfälle und operativer Hürden wiederholt unterbrochen oder verzögert wurde.
Die Beeinträchtigung der Straße von Hormus hat wirtschaftliche Folgen über die Region hinaus. Ölexporte, Flüssiggaslieferungen und andere Frachten werden gedrosselt oder auf teurere Routen umgeleitet. Fachleute sehen für eine nachhaltige Normalisierung drei Voraussetzungen: die systematische Entminung, verlässliche Sicherheitsgarantien entlang der Seewege und politische Absprachen der Anrainerstaaten. Konkrete Zeitpunkte für umfassende Evakuierungen oder eine vollständige Wiederaufnahme des Transitverkehrs nennt die IMO in ihrer Mitteilung nicht.
Für Deutschland ergeben sich aus der anhaltend unsicheren Lage Risiken für Energiepreise und Lieferketten. Zugleich steht die Frage im Raum, wie betroffene deutsche Seeleute und Schiffe im Bedarfsfall unterstützt und sicher herausgeführt werden können. Zuständigkeiten liegen dabei je nach Flagge und Reederei bei unterschiedlichen Behörden und Unternehmen; eine koordinierte Lösung hängt von Entscheidungen der Anrainerstaaten und internationalen Partner ab.
Die aktuellen Zahlen der IMO decken sich mit Einschätzungen weiterer internationaler Stellen, wonach der Transit durch die Meerenge seit Beginn der Kampfhandlungen deutlich zurückgegangen ist. Unabhängige, fortlaufende Zählungen der täglichen Durchfahrten bleiben aufgrund der Sicherheitslage erschwert und sind nur bedingt belastbar.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).