Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hat angesichts vergleichsweise niedriger Gasspeicherstände eine Neuordnung der deutschen Gasbeschaffung gefordert. In einem Beitrag beim Deutschlandfunk am 29. August 2026 warb sie für längerfristige Lieferverträge und Anreize, damit private Marktakteure stärker einspeichern. Ziel sei, die Gasversorgung für die anstehende Heizperiode 2026/27 robuster zu machen und Preisschwankungen zu dämpfen.
Die Bundesnetzagentur veröffentlicht täglich Daten zu den Speicherfüllständen. Nach ihren Angaben liegen die Füllstände im August 2026 unter dem langjährigen Mittel. Die Behörde betont, dass die Werte saisonal schwanken und das Arbeitsgasvolumen abbilden; eine unmittelbare, akute Unterversorgung des Gesamtsystems ergibt sich aus den zuletzt vorliegenden Daten nicht. Beobachtet wird jedoch eine gedämpfte Einspeisedynamik.
Auch die Fernleitungsnetzbetreiber, organisiert in FNB Gas, warnen vor ungewöhnlich niedrigen Füllständen für die Jahreszeit. In ihren Analysen verweisen sie darauf, dass derzeit hohe Spotpreise das Einspeichern unattraktiver machen könnten. Als Gegenmittel werden in der Debatte markt- und vertragsseitige Signale genannt, damit verfügbare Speicherkapazitäten besser genutzt werden.
Grimm plädiert dafür, die Vertragslandschaft stärker auf längerfristige Lieferverträge auszurichten. Befürworter argumentieren, solche Kontrakte könnten Versorgungssicherheit erhöhen und Preisrisiken für Industrie und Haushalte begrenzen. Kritiker verweisen auf mögliche Lock-in-Effekte, Wettbewerbsfragen und die Gefahr, die Umstellung auf klimaneutrale Energieträger zu verzögern.
Zur Diskussion stehen weitere Instrumente: Mindestfüllstände mit klaren Regeln, gezielte Marktinterventionen in Ausnahmesituationen sowie der zügige Ausbau von Infrastruktur, etwa zusätzliche Anlandungen von verflüssigtem Erdgas. Politische Entscheidungen dazu liegen derzeit nicht vor. Die Bundesnetzagentur verweist auf europäische Koordinationsbedarfe und darauf, dass mögliche Maßnahmen mit Wettbewerbsrecht und Beihilferegeln vereinbar sein müssen.
Offen sind zentrale Umsetzungsfragen: Laufzeit und Umfang längerfristiger Verträge, die Finanzierung und Risikoteilung zwischen Staat und Unternehmen sowie die Verknüpfung mit Klimazielen, etwa über Flexibilitätsklauseln oder den schrittweisen Einsatz von klimaneutralen Gasen. Klar ist: Je näher der Winter rückt, desto größer wird der Druck, wirtschaftliche Anreize zum Einspeichern mit stabilen Rahmenbedingungen zu verbinden.
Die aktuelle Debatte stützt sich auf das Deutschlandfunk-Gespräch mit Veronika Grimm, die tagesaktuellen Speicherzahlen der Bundesnetzagentur sowie Analysen von FNB Gas. Konkrete Gesetzesvorschläge oder verpflichtende Vorgaben sind bislang nicht angekündigt.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).