Eine neue wissenschaftliche Auswertung von Messnetzen und Satellitendaten belegt eine Zunahme der an der Erdoberfläche ankommenden UV-Strahlung in weiten Teilen Europas. Für Deutschland weisen Langzeitreihen und Fernerkundungsdaten auf steigende jährliche erythemale UV-Dosen und höhere UVI-Spitzen seit den 1990er-Jahren hin. Die Befunde wurden in aktuellen Fachpublikationen zusammengeführt und heute von Medien aufgegriffen.
Die Analysen kombinieren Bodenbeobachtungen, Satellitensensoren und Reanalysen. Sie zeigen deutliche regionale Unterschiede: Während Mittel- und Südeuropa sowie Teile Mitteleuropas Trends nach oben verzeichnen, sind sie im Norden teils stabil oder schwächer ausgeprägt. Als Haupttreiber nennen die Studien eine seit den 1990er-Jahren verringerte Aerosolbelastung (sauberere Luft lässt mehr UV passieren), Veränderungen der Bewölkung und regionale Ozonvariabilität. Die Erholung der Ozonschicht dämpft UV tendenziell, wird regional jedoch durch Wolken- und Aerosoländerungen überlagert.
Für Deutschland deuten Messnetze und Satellitendatensätze konsistent auf eine Zunahme der jährlichen UV-Belastung und sommerlicher Spitzenwerte. Einzeljahre weichen witterungsbedingt stark ab; Hitze- und Dürreperioden mit häufiger klarer Witterung erhöhen lokal die UV-Exposition. Insgesamt stützt die Konvergenz unabhängiger Datensätze den Trend, ohne ihn für alle Regionen gleich stark ausfallen zu lassen. Methodisch verweisen die Autorinnen und Autoren darauf, dass die meisten Reihen bis 2022/2023 reichen und längerfristige Veränderungen fortlaufend zu prüfen sind.
Gesundheitlich ist der Befund relevant: Die IARC stuft solare UV-Strahlung als gesichert krebserregend ein; sie erhöht das Risiko für Basalzell- und Plattenepithelkarzinome sowie das maligne Melanom. Hautkrebs zählt in Deutschland zu den häufigsten Krebserkrankungen. Fachinstitutionen betonen, dass neben der Strahlungsentwicklung auch Verhalten (Außenaufenthalt, Schutzkleidung, Sonnenschutzmittel) die Erkrankungszahlen prägt. Der European Code Against Cancer empfiehlt konsequenten UV-Schutz, insbesondere für Kinder und Personen in Außenberufen.
Aus den Ergebnissen leiten Behörden und Forschungseinrichtungen Handlungsfelder ab: Prävention im Arbeits- und Bildungsbereich, städtebauliche Maßnahmen wie mehr Schatten, sowie ein dichteres Monitoring zur besseren regionalen Einordnung. Die European Environment Agency und UNEP verweisen auf die Notwendigkeit vergleichbarer Messstandards und transparenter Datenzugänge. Prognosen zur weiteren Entwicklung bleiben unsicher, weil Wolken- und Aerosoltrends regional variieren; Datendienste wie KNMI/TEMIS dokumentieren diese Divergenzen und liefern die Grundlage für fortlaufende Bewertungen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).