Mit mehreren Voraufführungen im Sommer 2026 hat das partizipative Theaterprojekt Freiheit: Simson in Suhl den Moped-Kult und das industrielle Erbe der Stadt auf die Bühne gebracht. Auf dem Gelände der ehemaligen Simson-Werke verband die Produktion Erinnerungen von Fahrerinnen und Fahrern sowie früheren Beschäftigten mit Spielszenen und Klangmaterial aus der Fabrikgeschichte.
Beteiligt an dem Projekt sind der Schriftsteller Aron Boks und der Regisseur Janek Liebetruth. Seit dem Frühjahr 2026 sammelten sie gemeinsam mit lokalen Gruppen Alltagsgeschichten über die Simson, von Arbeitsabläufen in den Hallen bis zu privaten Fahrerlebnissen. Originalobjekte und Geräusche aus der Produktion wurden in die Szenen integriert. Nach übereinstimmenden Berichten standen zeitweise mehr als hundert Mitwirkende auf der Bühne, die Aufführungen fanden unter anderem im Kultursaal der Simson-Werke und in Teilbereichen des Werksgeländes statt.
Der Ansatz des Projekts versteht die Simson nicht nur als Fortbewegungsmittel, sondern als sozialen Gegenstand: Viele in Thüringen verknüpfen mit den Zweirädern Erfahrungen von Mobilität, Handwerk, Beruf und Heimat. Diese Zuschreibung ist historisch gewachsen und prägt bis heute die lokale Identität. Gleichzeitig berührt die Auseinandersetzung mit der Marke politische und rechtliche Aspekte der Vergangenheit, etwa Eigentumsfragen und die Nachwirkungen von Rechtsbrüchen im 20. Jahrhundert. Vertreter aus Kulturverwaltung und Stadt sehen darin eine Chance, kollektive Erinnerungen zu sichern und Deutungen des industriellen Erbes öffentlich zu verhandeln.
Die Projektverantwortlichen hatten eine enge Zusammenarbeit mit der Stadt Suhl und dem Fahrzeugmuseum Suhl angekündigt, um das gesammelte Material zugänglich zu halten. Konkrete Folgeschritte, wie ein dauerhaftes Ausstellungsformat oder feste Trägerstrukturen, befinden sich nach Angaben der Beteiligten in Abstimmung, liegen aber bislang nicht in abschließend bestätigter Form vor.
Belegt sind die Recherchephasen und die Aufführungen durch Beiträge des Mitteldeutscher Rundfunk und lokale Berichte aus dem Sommer 2026. Aussagen zur weiteren Nutzung des Materials basieren auf Ankündigungen der Projektleitung. Ob und in welchem Umfang daraus längerfristige Institutionen, Förderzusagen oder zusätzliche Spieltermine folgen, ist derzeit offen.
Das Projekt reiht sich in eine wachsende erinnerungskulturelle Praxis ein, die lokale Industriegeschichten mit partizipativen Theaterformen verbindet. In Suhl stützt sich diese Praxis auf eine ausgeprägte Fankultur rund um die Simson und die Wahrnehmbarkeit der alten Produktionsstätten im Stadtbild.
Redakteurin: Celestina Fuentes (Artikel mit KI-Unterstützung).