Bundeskanzler Friedrich Merz hat beim Festakt in Berlin zum 65. Jahrestag des deutsch-türkischen Anwerbeabkommens die Einwanderung aus der Türkei als Erfolg für Wirtschaft und Gesellschaft gewürdigt und vor neuem Fremdenhass gewarnt. Die Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter hätten die industrielle Substanz der Bundesrepublik Deutschland entscheidend mit aufgebaut, sagte Merz. Zugleich rief er dazu auf, entschlossen gegen rassistische Ausgrenzung und Gewalt vorzugehen.
Der Festakt bezog sich auf das am 30. Oktober 1961 unterzeichnete Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Türkei. Es bildete den Rahmen für die Anwerbung von Arbeitskräften, die in zahlreichen Branchen – von der Industrie bis zum Dienstleistungssektor – Lücken schlossen und über Generationen in Deutschland heimisch wurden. Merz sprach von einer Erfolgsgeschichte, die sich nicht nur in Wirtschaftskennzahlen, sondern auch im gesellschaftlichen Alltag zeige.
In den Reden wurde betont, dass Arbeitsmigration und Integration zusammengehören. Vertreterinnen und Vertreter der Bundesregierung verwiesen darauf, dass Deutschland seine Regeln für die Erwerbseinwanderung in den vergangenen Jahren modernisiert habe, um den Bedarf an Fachkräften zu decken. Gleichzeitig, so die politische Leitlinie, müssten Teilhabe, Chancengerechtigkeit und der Schutz vor Diskriminierung gestärkt werden. Der Rückblick auf 65 Jahre Anwerbepolitik verband sich daher mit der Frage, wie Erinnerung an erlittene Ausgrenzung und die Anerkennung von Lebensleistungen in konkrete Politik übersetzt werden können.
Merz erinnerte an rechtsextreme Gewalttaten der vergangenen Jahrzehnte und sprach von einer bleibenden Verantwortung des Staates, Betroffene zu schützen und Versäumnisse aufzuarbeiten. Die Mahnung stand neben der Würdigung der zahlreichen unternehmerischen und zivilgesellschaftlichen Initiativen, die gelingende Integration im Alltag voranbringen. Der Festakt unterstrich damit eine doppelte Botschaft: Anerkennung des Erreichten und Entschlossenheit, Defizite anzugehen.
Der Jahrestag fällt in eine Phase intensiver Debatten über Einwanderungs- und Integrationspolitik. Während die Wirtschaft auf zusätzliche Arbeitskräfte setzt, bleibt die politische Auseinandersetzung über Wege der Steuerung, über Sprachförderung, Bildungserfolg und über wirksamen Schutz vor Rassismus prägend. Aus dem Umfeld des Bundeskanzleramt hieß es, das Jubiläum solle auch als Auftrag verstanden werden, die Lehren aus der Geschichte in die Praxis einer modernen Einwanderungsgesellschaft zu überführen.
Der Festakt in Berlin stellte damit die Gegenwartsrelevanz eines historischen Vertragswerks heraus: Das deutsch-türkische Anwerbeabkommen wirkt bis heute nach – als Grundlage von Biografien, als wirtschaftlicher Faktor und als Prüfstein für den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).