Ein mehr als 400 Jahre alter Druck ist aus einer Bücherspende im Sozialkaufhaus Tisch und Teller in Flörsheim aufgetaucht und an die Staatsbibliothek zu Berlin zurückgegeben worden. Bei dem Band handelt es sich um die „Pauli Sententiae“, einen lateinischen Rechtsdruck, der 1594 in Nürnberg erschien und von Conradus Rittershusius herausgegeben wurde. Das Exemplar galt seit dem Zweiten Weltkrieg als Kriegsverlust im Bestand der Berliner Bibliothek.
Nach Angaben des Trägers Diakonie Main- und Hochtaunus bemerkte ein Mitarbeiter den Band beim Sortieren gespendeter Bücher. Nach einer ersten Sichtprüfung sei Kontakt zur Staatsbibliothek zu Berlin aufgenommen worden. Dort bestätigten Fachleute anhand von Besitzstempeln, handschriftlichen Einträgen und weiteren Provenienzhinweisen die Zugehörigkeit des Drucks zu früheren Berliner Beständen. Der Band wurde kurzfristig an die zuständige Abteilung übergeben und in Berlin gesichert.
Bibliothekarische Recherchen ergaben, dass das Exemplar vor 1908 Teil von Universitäts- und Privatbibliotheken war und im selben Jahr in den Bestand der damaligen Königlichen Bibliothek zu Berlin eingegliedert wurde. Mit Kriegsbeginn wurden zahlreiche Werke dezentral ausgelagert; viele Wege von Büchern sind seitdem nur lückenhaft dokumentiert. Die Staatsbibliothek zu Berlin erklärte, die konkrete Verlagerungs- und Besitzgeschichte dieses Stücks werde weiter untersucht. Dazu zählen Prüfungen von Einband, Einträgen und Zustand, um die Provenienz präzise zu rekonstruieren und den Bestand korrekt fortzuschreiben.
Der Fund verdeutlicht die anhaltenden Herausforderungen der Provenienzforschung an historischen Buchbeständen. Kriegsbedingte Auslagerungen, Verluste von Katalogen und beschädigte Verwaltungsunterlagen erschweren die rückhaltlose Rekonstruktion. Einrichtungen wie die Staatsbibliothek zu Berlin werten bei solchen Zufallsfunden systematisch Spuren aus, klären Rechtsfragen und dokumentieren die Ergebnisse. Die Rückkehr der „Pauli Sententiae“ unterstützt diese Arbeit, da eindeutig identifizierbare Besitzmerkmale eine belastbare Zuordnung ermöglichen.
Der rechtshistorisch bedeutsame Druck aus Nürnberg ist ein Beispiel dafür, wie Objekte aus wissenschaftlich wichtigen Sammlungen Jahrzehnte nach ihrem Verschwinden wieder auftauchen können. Für die Bibliothek ist der Rücklauf zugleich Bestätigung etablierter Verfahren zur Identifizierung und Sicherung von Kriegsverlusten. Weitere Schritte betreffen Konservierung und Katalogisierung, damit der Band wieder im Verbund der Berliner Bestände nachgewiesen werden kann. Angaben zu ursprünglichen Eigentümerinnen und Eigentümern vor der Übernahme durch die Berliner Bibliothek sowie zu Zwischenstationen nach dem Zweiten Weltkrieg sollen nach Abschluss der Untersuchungen veröffentlicht werden.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).