Nach dem Abbruch mehrtägiger Gespräche in Washington verschärft sich der Zollstreit zwischen den USA und Kanada. Die US-Regierung hat neue Zusatzzölle von bis zu 50 Prozent auf ausgewählte kanadische Produkte angeordnet und erste Maßnahmen umgesetzt; Ottawa kündigte eine Vergeltung im Umfang „Dollar für Dollar“ an. Unternehmensverbände in den Vereinigten Staaten drängen auf eine Rückkehr an den Verhandlungstisch. Aus Kanada kommt scharfe Kritik an US-Präsident Donald Trump, dessen Kurs als Auslöser der Eskalation gilt.
Nach übereinstimmenden Medienberichten scheiterten die Gespräche vor allem an der Frage sektoraler Ausnahmen innerhalb des nordamerikanischen Handelsabkommens CUSMA sowie an Sonderregeln für sensible Branchen. Als Verhandlungsführer der kanadischen Seite wurde mehrfach Dominic LeBlanc genannt; auf US-Seite führte eine Delegation aus dem Umfeld des US-Handelsbeauftragten die Gespräche. Formelle Details zu betroffenen Güterlisten und Fristen wurden in den vergangenen Tagen wiederholt angepasst; ein Teil der Maßnahmen trat demnach bereits in Kraft, weitere könnten schrittweise folgen. Ottawa bereitet nach eigenen Angaben spiegelbildliche Zölle vor.
Ökonominnen und Ökonomen warnen vor einem offenen Handelskrieg mit erheblichen Zusatzkosten entlang integrierter Lieferketten. Die nordamerikanischen Volkswirtschaften sind besonders eng verflochten; Preisschocks bei Vorprodukten, Aluminium, Holz und Nahrungsmitteln könnten sich schnell auf Verbraucherpreise und Investitionen niederschlagen. Über Wechselkurse, Rohstoffmärkte und Finanzierungsbedingungen drohen auch Sekundäreffekte für die Weltwirtschaft. Für Deutschland wären die direkten Handelswirkungen zwar begrenzt, doch Unternehmen mit Produktion oder Zulieferung in Nordamerika – etwa aus Automobil-, Maschinenbau- und Chemieindustrie – müssten mit höheren Kosten, Verzögerungen und Planungsunsicherheit rechnen.
Politisch ist der Konflikt auch ein Belastungstest für das Verhältnis zwischen Washington und Ottawa. Während das Weiße Haus die Zölle mit angeblich diskriminierenden kanadischen Maßnahmen begründet, verweist Kanada auf Beschwerden im Rahmen von CUSMA und kündigt, unterstützt von Provinzen und Branchenverbänden, abgestimmtes Vorgehen an. Ob kurzfristig neue Gespräche beginnen, ist offen. Entscheidend wäre aus Sicht von Beobachtern, zunächst die beidseitigen Güterlisten zu entschlacken und Übergangsfristen festzulegen, um Spielraum für eine Verständigung zu schaffen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).