Die EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos hat am 4. September 2026 ihre geplante Reise nach Serbien abgesagt. Sie begründete den Schritt mit Berichten über feierliche Beisetzungs- und Ehrungspläne für den in Den Haag inhaftiert gestorbenen bosnisch-serbischen Ex-General Ratko Mladić. Solche öffentlichen Würdigungen seien mit den Werten der Europäischen Union und dem Beitrittsprozess unvereinbar, ließ Kos erklären.
Mladić, 84, war vom Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien wegen Völkermords, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen rechtskräftig verurteilt worden. Er starb am 27. August 2026 in Haft in Den Haag. In Serbien und in Teilen der bosnisch-serbischen Öffentlichkeit wurden danach Gedenkakte vorbereitet. Laut mehreren Medien sollte die Beisetzung Anfang der Woche erfolgen. Die Aussicht auf einen offiziellen oder militärisch anmutenden Rahmen löste in der EU und in Nachbarstaaten Widerspruch aus. Serbische Regierungsstellen hatten dazu zunächst widersprüchliche Signale gesendet; eine abschließende offizielle Bestätigung lag bis zum Zeitpunkt der Absage nicht vor.
Die Entscheidung aus Brüssel hat unmittelbare politische Bedeutung. Die EU-Kommission verweist seit Jahren darauf, dass Rechtsstaatlichkeit, regionale Versöhnung und die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen zentrale Maßstäbe für den EU-Weg Serbiens sind. Nach Darstellung von Kos steht die Behandlung der Erinnerung an die Taten Mladićs exemplarisch für den Umgang mit Völkermord und schwersten Verbrechen und damit für die Glaubwürdigkeit des Beitrittskandidaten. In Brüssel wird der Vorgang als Test verstanden, ob Belgrad Distanz zu verurteilten Tätern hält oder deren Glorifizierung toleriert.
In Belgrad fiel die Reaktion gespalten aus. Nationalistische Akteure verteidigten geplante Trauerzeremonien und sprachen von einem würdigen Abschied. Menschenrechtsorganisationen, Oppositionsvertreter sowie Regierungen mehrerer Nachbarländer warnten hingegen vor einer Verhärtung der Fronten in der Region und vor einer Relativierung der Urteile internationaler Gerichte. Beobachter betonen, dass die EU ihre Werte- und Rechtsstaatskriterien durchsetzen müsse, zugleich aber Gesprächskanäle nach Belgrad offenhalten wolle, um Fortschritte im Beitrittsprozess zu ermöglichen.
Die Zeitangaben und Aussagen beruhen auf Mitteilungen der EU-Kommission sowie übereinstimmenden Berichten internationaler Medien vom 3. und 4. September 2026. Die Absage der Reise erfolgte vor den für Anfang der Woche erwarteten Beisetzungszeremonien in Belgrad.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).