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Merz nennt Ärzte Nutznießer – Ärzteschaft protestiert

Friedrich Merz bezeichnete in einer RTL-Sendung Ärztinnen und Ärzte als Nutznießer des Gesundheitssystems. Landesärztekammern, Verbände und Kliniken reagierten mit scharfer Kritik und kündigten weitere Stellungnahmen an.

Friedrich Merz hat Ärztinnen und Ärzte in einer RTL-Sendung als „Nutznießer“ des Gesundheitssystems bezeichnet und damit breite Empörung ausgelöst. In „Am Tisch mit Friedrich Merz“ sagte der Bundeskanzler am 2. September 2026 zu einer anwesenden Kinderärztin: „Wir geben über 500 Milliarden Euro für unser Gesundheitssystem aus und da sind Sie als Teil dieses Gesundheitssystems auch Nutznießer.“ Innerhalb eines Tages widersprachen Kammern, Verbände und Kliniken der Wortwahl und warnten vor einer Abwertung medizinischer Arbeit.

Die Landesärztekammer Brandenburg nannte die Bezeichnung „inakzeptabel“. Sie betonte, Ärztinnen und Ärzte erbrächten versorgungsrelevante Leistungen häufig unter hohem persönlichen Einsatz, eine Unterstellung privater Bereicherung gehe an der Realität vorbei. Auch der Marburger Bund kritisierte die Formulierung als pauschal und unsachlich. Der Praxisverbund Medi Baden-Württemberg sprach von einer Herabsetzung ärztlicher Tätigkeit, die in Zeiten von Personalengpässen und hoher Arbeitsbelastung das Vertrauen in die Versorgung beschädige.

Kliniken reagierten ebenfalls. Nach Angaben der Hessenschau veröffentlichte eine Kinderklinik in Darmstadt ein Video, in dem Mitarbeitende den Arbeitsalltag und die Belastung in der Pädiatrie schildern. Das Deutsche Ärzteblatt dokumentierte zahlreiche Rückmeldungen aus der Ärzteschaft sowie Ankündigungen für weitere Stellungnahmen. Für Mitte September sind nach Angaben von Beteiligten Aktionen in Berlin in Vorbereitung; Details lagen zunächst nicht vor.

Merz begründete seine Einordnung mit den stark gestiegenen Gesundheitsausgaben der vergangenen Jahre. Ärztliche Vertreter hielten dem entgegen, Ausgabenentwicklung, Vergütungssysteme und Leistungsbudgets müssten differenziert betrachtet werden. Die Bezeichnung „Nutznießer“ blende die Besonderheiten ambulanter und stationärer Versorgung aus und verkenne, dass steigende Kosten wesentlich auf demografische Effekte, medizinischen Fortschritt und tarifliche Lohnsteigerungen beruhten.

Politisch verschärft die Debatte die ohnehin strittigen Beratungen über Reformen im Gesundheitswesen. Beobachter erwarten, dass Berufsverbände ihre Forderungen nach Planungssicherheit, Bürokratieabbau und verlässlichen Budgets bekräftigen. Ob die Äußerung von Merz den weiteren Kurs der Bundesregierung in der Gesundheitspolitik beeinflusst, bleibt offen. Klar ist: Das wörtliche Zitat aus der RTL-Sendung vom 2. September 2026 ist belegt, die inhaltliche Bewertung wird von berufsständischen Organisationen entschieden zurückgewiesen.

SWR Aktuell und andere Medien hatten die Reaktionen aus Kammern, Verbänden und Kliniken am Folgetag zusammengetragen. Weitere Stellungnahmen von Fachgesellschaften und Ländern werden in den kommenden Tagen erwartet.

Redakteurin: Clara Simonichek (Artikel mit KI-Unterstützung).

Quellen

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