Das Naturkundemuseum Stuttgart untersucht einen ungewöhnlichen Fund aus Baden-Württemberg: Ein Mädchen hatte im August beim Spielen auf einem Feld bei Dietingen-Rotenzimmern im Kreis Rottweil einen etwa fünf Zentimeter langen, leicht gebogenen Zahn entdeckt und an das Museum übergeben. Nach übereinstimmenden Berichten von SWR und Tagesschau vom 3. September 2026 sehen Fachleute bei der Erstbegutachtung Merkmale, die nicht zu einem heutigen Landsäugetier passen. Form und Abnutzung werden eher als Hinweis auf einen fossilen Meeresbewohner gewertet.
Die Fachleute betonen zugleich die Vorläufigkeit dieser Einschätzung. Derzeit handelt es sich um eine Arbeitsdiagnose; eine gesicherte Zuordnung oder Datierung liegt noch nicht vor. Für eine belastbare Bestimmung seien weitere Untersuchungen nötig, darunter bildgebende Verfahren, mikroskopische Analysen des Zahnschmelzes und der Vergleich mit Referenzstücken in wissenschaftlichen Sammlungen. Erst diese Analysen könnten klären, ob der Zahn tatsächlich zu einem Meeressaurier gehört und aus welchem geologischen Zeitraum er stammt.
Der Fund hat regionales Interesse geweckt, weil weite Teile des heutigen Südwestdeutschlands in der Jurazeit von einem Meer bedeckt waren. Aus dieser Epoche stammen zahlreiche Fossilien mariner Reptilien, die in der Region bereits nachgewiesen wurden. Einzelne Zähne liefern jedoch oft nur begrenzte Hinweise: Ohne Kontextfunde oder eindeutige Schichtzuordnung bleibt offen, ob ein Stück sekundär verlagert wurde oder aus jüngeren Schichten stammt.
Im Museum laufen nun die konservatorische Sicherung und die Registrierung des Stücks. Danach sollen die weiterführenden Analysen erfolgen, gegebenenfalls auch in Zusammenarbeit mit externen Spezialistinnen und Spezialisten. Erst im Anschluss will das Naturkundemuseum Stuttgart belastbare Aussagen zu Art und Alter machen. Ein Zeitplan wurde nicht genannt.
Der Fall zeigt, wie Zufallsfunde den Blick auf die Erdgeschichte der Region schärfen können. Für die Forschung ist dabei entscheidend, dass Fundstücke schnell dokumentiert und fachgerecht untersucht werden. Bis zum Abschluss der Analysen bleibt der Dietinger Zahn ein Indiz für die paläontologische Vergangenheit der Gegend – und ein Beispiel dafür, wie aus einer lokalen Beobachtung eine wissenschaftliche Fragestellung entsteht.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).