Am Bodensee sind Anfang September 2026 vielerorts Schlick- und Flachwasserzonen freigelegt, die rastenden Watvögeln Nahrung und Ruheplätze bieten. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) hatte Mitte August bestätigt, dass der See den bisher niedrigsten Wasserstand des Jahres erreicht hat. Als Hauptursache gelten verringerte Zuflüsse, insbesondere des Alpenrheins. Die veränderte Wasserlinie schafft kurzfristig neue Uferhabitate und verändert die Verteilung von Vögeln entlang des baden-württembergischen Ufers.
Beobachterinnen und Beobachter der Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee berichten von einem deutlich erhöhten Auftreten typischer Watvögel an den freigelegten Flächen. Nach Einschätzung der Arbeitsgemeinschaft entstehen bei Niedrigwasser in der Zugzeit besonders günstige Bedingungen, weil sonst erst später im Herbst ausreichend freier Schlick zur Verfügung steht. Fachleute betonen zugleich die Grenzen dieses Effekts: Für brütende Wasservögel, Mausergruppen und nicht flugfähige Jungvögel kann ein anhaltend niedriger Pegel Lebensräume verkleinern und Störungen verstärken. Diese Bewertungen richten sich auf die gesamte Rast- und Mausersaison, ohne bereits endgültige Bestandsurteile zu treffen.
Zu den derzeit besonders ergiebigen Beobachtungsräumen zählen das Wollmatinger Ried bei Konstanz, die Mündung der Radolfzeller Aach sowie das Vorarlberger Rheindelta. Naturschutzverbände wie der NABU verweisen auf die Bedeutung dieser Flachwasserzonen als Zwischenstopp auf den Routen aus Skandinavien und dem nördlichen Russland. Für gezielte Feldbeobachtungen gilt der September als aussichtsreich, weil dann Durchzügler in größerer Zahl eintreffen. Gleichzeitig rufen Verbände und Behörden dazu auf, Wegegebote und Sperrzonen strikt einzuhalten, um empfindliche Arten nicht aufzuschrecken.
Für Behörden und Nutzende des Sees verschärft die Lage Zielkonflikte. So hat der Bodenseekreis wasserwirtschaftliche Beschränkungen verlängert, um Entnahmen aus Gewässern zu begrenzen und ökologische Folgen zu dämpfen. Schifffahrt, Freizeitnutzung und Naturschutz müssen lokal koordiniert werden; punktuelle Anpassungen, etwa temporäre Sperrungen sensibler Uferabschnitte, sind möglich. Fachlich wird die hydrologische Entwicklung weiter eng verfolgt. Die LUBW verweist auf die Rolle reduzierter Zuflüsse für den Pegelverlauf, während avifaunistische Zählprogramme den kurzfristigen Einfluss auf Artenzusammensetzung und Rastzahlen dokumentieren sollen. Aus diesen Daten erwarten Fachleute Anhaltspunkte, ob die momentanen Rastvorteile für Watvögel die gleichzeitigen Risiken für Brut- und Mauserbestände überwiegen oder ob zusätzliche Schutzmaßnahmen nötig werden.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).