Im Frankfurter Bahnhofsviertel hat am 5. September das vierte Open Viertel stattgefunden. Bewohnerinnen und Bewohner, Galerien, Gewerbe und soziale Einrichtungen öffneten ihre Räume für Führungen, Gespräche und Ausstellungen. Ziel war es, den Alltag und das vielfältige Engagement im Quartier sichtbar zu machen – jenseits der häufig dominierenden Berichte über Drogenkonsum und Kriminalität. Die offizielle Eröffnung fand auf dem Wiesenhüttenplatz statt. Oberbürgermeister Mike Josef hob dort die Bedeutung öffentlicher Einblicke in Arbeit und Leben des Viertels hervor.
Die Veranstalterinnen und Veranstalter verstehen das Open Viertel als niedrigschwellige Einladung zum Austausch. Nach ihren Angaben schafft das Format Kontakte zwischen Nachbarschaft, Kulturakteuren, Gewerbetreibenden und Hilfeangeboten und stärkt so lokale Netzwerke. Fachleute weisen zugleich darauf hin, dass kulturelle Initiativen Dialog ermöglichen, strukturelle Probleme aber nicht allein lösen können.
Politisch ist die Aktion in einen breiteren Kurs eingebettet. Stadt und Land verknüpfen seit 2025 verstärkte Polizeipräsenz, ordnungsrechtliche Maßnahmen und präventive Sozialarbeit. Die Landesregierung legte zu ihrem Sieben-Punkte-Plan eine Zwischenbilanz vor und kündigte ein Sofortprogramm für das Bahnhofsviertel an. Es umfasst zusätzliche Polizeikräfte, Mittel für Streetwork und Drogenhilfe sowie vorbereitende Schritte für ein städtebauliches Förderprogramm. Nach Angaben aus Wiesbaden sollen entsprechende Vorlagen im Herbst 2026 in den zuständigen Gremien beraten werden. Vertreterinnen und Vertreter von Stadt und Land betonen, kurzfristige Sicherheit und langfristige Stadtentwicklung müssten zusammen gedacht werden, um Verdrängung zu vermeiden und Verbesserungen zu verstetigen.
Aus Sicht der Stadt Frankfurt am Main soll das Open Viertel den politischen Kurs nicht ersetzen, sondern begleiten: Es dokumentiert vorhandenes Engagement und macht Projekte sichtbar, die im Alltag oft unspektakulär, aber wirksam sind – von Beratungsstellen über Galerien bis zu kleinen Betrieben. Gleichzeitig bleibt der Entscheidungsbedarf groß: Personal für Sozialarbeit, zielgenaue Hilfen für Suchtkranke, eine verlässliche Polizeipräsenz und verabredete Stadtentwicklungsziele gelten als Voraussetzung, um das Bahnhofsviertel langfristig zu stabilisieren.
Das Open Viertel zeigte damit an einem Tag, wie Kultur, Sozialarbeit und Sicherheit ineinandergreifen können. Zugleich wurde deutlich, dass die angekündigten Maßnahmen von Land Hessen und die Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung über Finanzierung und Prioritäten entscheidend sein werden, um wahrnehmbare Effekte im Alltag zu erreichen.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).