Der Extremismusforscher Matthias Quent sieht den jüngsten Auftrieb der Alternative für Deutschland vor allem durch emotionale Ansprache, die Selbstnormalisierung radikaler Positionen und die Schwäche etablierter Parteien erklärt. In einem am 29. August 2026 veröffentlichten Interview der Tagesschau ordnet Quent die Dynamik ein und verweist auf eine verbreitete Stimmung aus Angst, Verlustgefühlen und Ohnmacht, an die die Partei gezielt anknüpfe.
Nach Quents Analyse stehen nicht detaillierte Programme im Vordergrund, sondern das Auslösen und Binden starker Gefühle. Dadurch erschließe die AfD Milieus, die lange als unempfänglich galten – auch in Westdeutschland, wo traditionelle Parteibindungen bröckeln. Als aktuelles Stimmungsbild verweist die Tagesschau auf den im August veröffentlichen ARD-DeutschlandTrend, der der Partei einen sehr hohen Zuspruch bescheinigt. Quent beschreibt diesen Trend als Ergebnis mehrerer, sich verstärkender Prozesse.
Zentral ist für ihn die von Teilen der Partei betriebene Selbstnormalisierung. Wiederkehrende Grenzüberschreitungen, zugespitzte öffentliche Auftritte und eine dauerhafte Präsenz in der politischen Auseinandersetzung verschieben nach seiner Einschätzung die Maßstäbe dessen, was in der öffentlichen Debatte als akzeptabel gilt. Quent betont, die wehrhafte Demokratie könne nicht allein mit Benennung gegensteuern; nötig seien institutionelle Reaktionen, klare Abgrenzung und zugleich konkrete Mitgestaltungsangebote, die Ohnmachtsgefühle ernst nehmen.
Quent trennt in seiner Bewertung zwischen beobachtbaren Tatsachen und politischen Schlussfolgerungen: Faktisch sei die AfD in Umfragen stark und regional unterschiedlich verankert, in mehreren Bundesländern als gesichert rechtsextrem eingestuft oder als Verdachtsfall beobachtet. Daraus folge aus seiner Sicht ein erhöhter Handlungsdruck für Parteien, Medien und Zivilgesellschaft. Kurzfristige Prognosen gibt er nicht ab; er warnt jedoch vor wachsender Polarisierung und einem raueren Klima gegenüber Minderheiten, falls Gegenstrategien ausblieben.
Die Einordnung knüpft an frühere öffentliche Analysen Quents zu Rechtsextremismus und Protestdynamiken an. Neu ist der unmittelbare aktuelle Anlass: die jüngste Stimmungsaufhellung für die AfD sowie deren Reichweite über ostdeutsche Kerngebiete hinaus. Quent verweist darauf, dass politische Stabilität auch von der Fähigkeit abhängt, Konflikte zu benennen, ohne sie zu dramatisieren, und handfeste Angebote zu machen – etwa im Alltag wirksame Entlastungen und Beteiligungsmöglichkeiten. Damit, so seine Einschätzung, lasse sich ein Teil der emotionalen Mobilisierung neutralisieren, ohne Probleme zu verharmlosen.
Redakteur: Phillipe Schmidt-Araguin (Artikel mit KI-Unterstützung).