Bundesweit haben am 25. September nach Angaben der Initiative Schulstreik gegen Wehrpflicht mehr als 45.000 Schülerinnen und Schüler in rund 100 Städten gegen eine mögliche Rückkehr oder Ausweitung der Wehrpflicht demonstriert. Die Proteste richteten sich gegen neue Pläne zur Personalgewinnung für die Bundeswehr und gegen eine aus Sicht der Organisatoren zunehmende Einbindung junger Jahrgänge in Musterungsverfahren.
Zu einzelnen Orten veröffentlichten die jeweiligen Polizeibehörden eigene Schätzungen, die teils deutlich unter den Angaben der Veranstalter lagen. Für Berlin meldete die Polizei rund 2.400 Teilnehmende im Stadtteil Wedding. Auch in München, Nürnberg, Frankfurt und Stuttgart lagen behördliche Zahlen unter den von der Initiative genannten Werten. Die Versammlungen verliefen überwiegend friedlich. Vereinzelt kam es zu Unterrichtsausfällen sowie zu Eingriffen von Schulleitungen, die das unentschuldigte Fernbleiben vom Unterricht thematisierten und disziplinarische Schritte prüften.
Die Initiative begründete den Streik mit Sorge um Freiheitsrechte, Bildungsbiografien und eine aus ihrer Sicht wachsende Militarisierung der Jugend. Kritisiert wurde insbesondere, dass Einladungen zu Tauglichkeitsuntersuchungen und Erfassungen vermehrt junge Jahrgänge erreichten, ohne dass zuvor eine breite gesellschaftliche Verständigung über Zweck und Umfang eines möglichen Dienstes erfolgt sei.
Das Bundesverteidigungsministerium verweist in seinen öffentlichen Aussagen auf die Notwendigkeit, die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte zu sichern, und prüft Modelle zur systematischeren Gewinnung von Personal. In der politischen Debatte ist von einem unter dem Arbeitstitel Wehrdienst-Modernisierungsgesetz geführten Vorhaben die Rede; konkrete Zielzahlen und endgültige Regelungen liegen nicht vor. Nach Regierungsangaben wären substanzielle Änderungen am Wehrdienstrecht an Parlamentsentscheidungen gebunden.
Lehrerverbände und Gewerkschaften riefen dazu auf, politisches Engagement ernst zu nehmen, warnten aber vor pauschalen Sanktionen. Rechtlich ist das Verhältnis von Schulpflicht und Versammlungsfreiheit weiterhin umstritten und hängt von Länderrecht sowie Einzelfallprüfungen ab.
Die Auseinandersetzung dürfte politisch anhalten: Parteien und Ministerien kündigten an, ihre Positionen zu Wehrdienst und Personalgewinnung in den kommenden Wochen zu präzisieren. Die Initiatoren des Schulstreiks planen nach eigenen Angaben Folgetermine und Informationsveranstaltungen. Unabhängige und übereinstimmende Gesamtzahlen lagen am Abend des Protesttages nicht vor; die Spannweite zwischen Veranstalter- und Polizeiangaben bleibt damit Teil der Bewertung der Aktion.
Redakteurin: Mira Cadena (Artikel mit KI-Unterstützung).